Registrieren mit Mixturen

Diskussionen rund um Orgelneubau, Orgelrestauration, Register, Technik, usw.
malle235
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Registrieren mit Mixturen

Beitrag von malle235 » Sonntag 3. Juli 2016, 14:47

Es gibt ja zahlreiche verschiedene Orgelmixturtypen - ich dachte man könnte hier mal das geballte Forums-Wissen dazu sammeln- korrigiert mich auch gerne - bin da kein Experte
Insbesondere interessiert mich, wie ihr die unterschiedlichen Mixturen beim Registrieren einsetzt, bin mir da oft unsicher
Benutzt ihr im Gottesdienst (oft) Mixturen für den Gemeindegesang bzw. das jeweilige Vorspiel dazu oder sind Mixturen eher für "Literatur" also eher Vor-und Nachspiel?

Manual:
Kornett: Solostimme für Cantusfirmus, ggf. noch mit Trompete 8' kombinieren, oder eher Prinzipal 8' ?
Sesquialtera: Farbe
Mixtur: Klangkrone fürs Plenum, oftmals sehr kräftig, bei einigen neobarocken Orgeln finde ich die aber teilweise auch so schrill, dass ich z.B. Reger nicht damit spielen würde
Scharff/Zimbel: oft noch höher, gibt teilweise schönen Glanz in Kombinationen mit kurzbecherigen Zungen aber sowas benutzt man ja wohl eher selten...
Harm. aeth. ganz zarte Streichermixtur, gut geeignet mit Salicional 8' für Romantik, z.B. Abendmahl

Pedal:
Baßzink: Ersatz für eine 16' Zunge, falls diese zu laut ist, spricht auch schneller an
Pedalmixtur/Hintersatz: oft mehrchöriger und höher als Rauschpfeife: gut eignet für virtuose Pedalstellen

kernspalter
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Re: Registrieren mit Mixturen

Beitrag von kernspalter » Sonntag 3. Juli 2016, 15:23

malle235 hat geschrieben:Es gibt ja zahlreiche verschiedene Orgelmixturtypen - ich dachte man könnte hier mal das geballte Forums-Wissen dazu sammeln- korrigiert mich auch gerne - bin da kein Experte
Insbesondere interessiert mich, wie ihr die unterschiedlichen Mixturen beim Registrieren einsetzt, bin mir da oft unsicher
Benutzt ihr im Gottesdienst (oft) Mixturen für den Gemeindegesang bzw. das jeweilige Vorspiel dazu oder sind Mixturen eher für "Literatur" also eher Vor-und Nachspiel?
Das hängt einersetis davon ab, wie groß die Kirche ist, wie stark der Gemeindegesang ist, und andererseits, wie hochliegend und wie scharf intoniert die Mixturen sind.

Für eine kräftig singende Gemeinde benutze ich lieber Zungen als Mixturen. Wenn die Zungen plärrend intoniert oder schlecht gestimmt sind, benutze ich natürlich lieber Mixturen.
Kornett: Solostimme für Cantusfirmus, ggf. noch mit Trompete 8' kombinieren, oder eher Prinzipal 8' ?
Beides ist möglich, es hängt immer davon ab, wie es an der jeweiligen Orgel und im jeweiligen Raum klingt. (Wie ein Kornett herauskommt, ist oft vom Spieltisch aus schwer einzuschätzen!)
Mit kernspalterischen Grüßen

Ippenstein
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Re: Registrieren mit Mixturen

Beitrag von Ippenstein » Sonntag 3. Juli 2016, 21:12

Es kommt darauf an.

Hauptwerksmixturen verwende ich nicht für den Gemeindegesang. Selbst bei meiner romantischen Orgel (3-4 fach 2 Fuß) ist sie zu laut und scharf, um den Gemeindegesang zu begleiten. Die Schwellwerksmixtur (2-3 fach 2 2/3 Fuß) nutze ich auch nur und dann mit der Superkoppel, wenn die Kirche gerammelt voll ist. Die Trompete ist auch nur dann möglich, wenn die Kirche voll ist.
Da nutze ich lieber mal die Quinte 2 2/3 als Färbung. Ein Kornett wäre mir ebenfalls zu scharf für den Gemeindegesang. Ich empfinde das eher als Solostimme.

Ich gehe da je nach Orgel sehr klassisch ran, wenige Aliquoten oder laute Mixturen zu verwenden. Die Zungen auch nur, wenn sie nicht zu aufdringlich sind.

Beim Vorspiel gehe ich von meiner Regel aus, daß es maximal so laut wie die Registrierung für den Gesang sein darf. Daher käme eine Mixtur nur dann in Frage, wenn ich das Vorspiel so registrieren kann, daß es nicht zu laut ist.

Bei Vorspiel nutze ich gerne alle Möglichkeiten der Orgel - möglichst keine Kombination zwei Mal im selben Gottesdienst.

Viele Grüße

Ippenstein

olds
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Re: Registrieren mit Mixturen

Beitrag von olds » Sonntag 3. Juli 2016, 21:51

Bei mir gibt´s die eine Mixtur nur zu Hochfesten und sonstigen besonderen Anlässen.

Wenn man eine eher kleine Orgel hat, finde ich, sollte man sich eine Steigerungsmöglichkeit erhalten, damit die Leute merken, wenn´s Ostern ist, der Heilige Geist herniederbraust oder Weihnachten gefeiert wird.

Und dann auch nur dosiert um einen gewissen Bogen zu schlagen. Kyrie/ Zwischengesang/ Gabenbereitung/ Agnus Dei, bleibt da mixturfrei. Agnus Dei und Gabenbereitung spiele ich sogar bei Hochfesten am liebsten sehr zurückhaltend nur mit 8' und 4'.

Bei den größeren Instrumenten wo ich jetzt auch ran darf, halte ich es ähnlich. Da gibt es zwar schonmal die Hauptwerktsmixtur, dann aber sonst nix vergleichbares oder Trompeten dazu. Das haut doch schon ordentlich durch.

Wenn hier dann zu besonderen Festen und voller Bude doch etwas mehr Gas gegeben werden muss, hole ich mir meistens eine Mixtur aus dem 2. und 3. Manual. Ob das von der Kirchenmusikpolizei gemäß mir noch unbekannten § aus dem, Registraturgesetz so genehmigt ist, weiß ich nicht......

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Friedrich Sprondel
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Ja bitte! (war: Re: Registrieren mit Mixturen)

Beitrag von Friedrich Sprondel » Montag 4. Juli 2016, 11:39

Hier klingt öfter durch, dass die Mixturen eher selten eingesetzt werden, wenn ich recht verstehe aus der Furcht heraus, sie seien zu laut oder erschlagend und würden die singende Gemeinde eher einschüchtern als ermutigen.

Ich kenne auch Orgeln mit sehr kräftigen Hauptwerksmixturen, die für den normalen Sonntagsgottesdienst zum Liedbegleiten eher nicht in Frage kommen. Trotzdem: Wenn ich eine Orgel höre, ohne ihre Mixtur – soll heißen: ihr Prinzipalplenum – gehört zu haben, dann habe ich den Eindruck, eigentlich nichts über das Instrument sagen zu können. In meinen Ohren ist der Prinzipalchor so entscheidend für den Charakter eines einzelnen Instruments wie für die Orgel als Instrument überhaupt, dass er auch gerne registriert und musiziert werden sollte. Prinzipale plus Mixtur: Das ist Orgel.

Dazu kommt, dass gerade die Mixtur aus der nahen Hörperspektive, von der Empore oder vom angebauten Spieltisch aus, in ihrer Raumwirkung von allen Registern am häufigsten falsch eingeschätzt wird. Eine Mixtur kann auf der Empore schwächlich und unverbunden klingen, im Raum aber genau den richtigen Grad an Helligkeit und Zeichnung entfalten. Umgekehrt – was häufiger der Fall sein dürfte – kann sie für den Spieler (übrigens auch für die ihn umgebenden Choristen, die so gerne Ratschläge erteilen) hart, schrill oder disparat klingen, dafür sich im Raum runden und die Grundstimmen und oft auch die Zungenregister schön einbinden.

In allen guten Orgeln, die ich gehört habe, steht die Hauptwerksmixtur in einem musikalisch brauchbaren Verhältnis nicht nur zu den zugehörigen Grundstimmen, sondern auch zum Pedal und zu dessen Zungenstimmen. Im Idealfall machen Posaune 16' und Hauptwerksmixtur genau den Klangraum auf, den man für ein gravitätisches Präludium braucht – und für die Begleitung eines festlichen Liedes. Ich habe schon oft erlebt, wie der Organist vom Pleno-Eingangsstück direkt und ohne Registrierungswechsel zum Eingangslied überging – und wie die Gemeinde, vom Präludium hochgepuscht, dann gerne entsprechend kräftig einstieg und danach mit roten Backen und glänzenden Augen den Gruß »Im Namen des Vaters …« beantwortete. So fängt ein Gottesdienst doch ganz anders an!

Umgekehrt empfinde ich es als lau, wenn ich Plenostücke mit der Mixtur oder dem Fagott des Schwellwerks hören muss oder gar nur mit Oktavtönigem – laaangweilig. Dann versteckt sich die Orgel verschämt, so als gehöre es sich nicht, ihre volle Schönheit zu zeigen. Das klingt nicht taktvoll, sondern eher verklemmt. Auch der Nebenwerk-Scharf taugt dann nicht als Ersatz, weil er musikalisch ganz anders funktioniert – meist ist er enger, repetiert häufiger und arbeitet deswegen die Polyphonie und den Diskant nicht so deutlich heraus wie die Hauptwerksmixtur. Der Scharf soll sie kontrastieren, er kann sie nicht ersetzen. Auf den Hauptwerksgrundstimmen schwimmt er dann oft wie fünf Blättchen Trockenpetersilie auf einem mächtigen Chili, das jetzt eigentlich den entscheidenden Schuss Pfeffer bräuchte.

Der Hauptwerksprinzipalchor gibt in meinen Ohren (bei geeigneten Nebenwerken und kräftig registriertem Pedal) übrigens auch ein schönes Choralsolo ab, mit oder ohne Trompete 8', besonders bei modalen, alten Melodien. Sogar einen kolorierten Buxtehude-Choral kann man prima mit der Hauptwerksmixtur heraussingen. Einfach mal probieren!

Sicher gibt es Orgeln, deren Hauptwerks-Plenum erschlägt, und das auch von teuren, sonst solide arbeitenden Erbauern. Das halte ich dann auch für einen Fehler, das sollte nicht so sein. Aber die Regel ist das meiner Erfahrung nach nicht.

Deswegen mein Fazit: Rein mit der Mixtur, der Pedaltrompete oder Posaune! Musik gemacht – Orgelmusik!

Viele Grüße
Friedrich
Zuletzt geändert von Friedrich Sprondel am Montag 4. Juli 2016, 12:10, insgesamt 1-mal geändert.

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Friedrich Sprondel
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Re: Registrieren mit Mixturen

Beitrag von Friedrich Sprondel » Montag 4. Juli 2016, 12:07

Noch zu den anderen erwähnten gemischten Stimmen:
malle235 hat geschrieben:…Manual:
Kornett: Solostimme für Cantusfirmus, ggf. noch mit Trompete 8' kombinieren, oder eher Prinzipal 8' ?
Je nach Orgel und Raum. Ein echter fünffacher französischer Cornet ist eine Art Tuba avant la lettre. Sehr laut, heroisch-pathetisch und durchdringend; gemacht, um den im Diskant schwächeren Trompetenklang aufzupeppen. In Frankreich wurde dazu meist Prestant 4' und Bourdon 8' gezogen, seltener Montre 8' – vielleicht, um Wind zu sparen und das Ganze nicht zu weich zu machen. So ein Cornet verträgt auch eine gesunde 8' + 4'-Begleitung. Moderne Cornets sind oft etwas gezähmt.
malle235 hat geschrieben:Sesquialtera: Farbe
… und Plenumsregister, weil meistens in Prinzipalmensur. Ein Nebenwerksplenum mit Sesquialtera lässt sich z. B. in konzertierenden Präludien als Kontrastfarbe zum HW-Plenum benutzen. Die Sesquialtera klingt immer schön deutlich und artikuliert, anders als die weicheren Nasat-Mischungen. Da kann man auch mal ordentlich artikulieren.
malle235 hat geschrieben:Harm. aeth. ganz zarte Streichermixtur, gut geeignet mit Salicional 8' für Romantik, z.B. Abendmahl
Ich finde es immer faszinierend, dass Abendmahlsbegleitung angeblich der Platz für Romantik sein soll. Gemeint scheint mir oft: weichliche Registrierungen, Dreiklänge, höchstens leicht angeschmutzt. Inhaltlich finde ich das Abendmahl nicht so sehr romantisch oder gefühlig. – Aber zu Harmonia aetherea: Das ist eigentlich ein Echo-Effektregister, ganz richtig für romantische Orgel »wie aus der Ferne«. Muss aber inszeniert werden, um musikalisch Sinn zu ergeben, so ein »lontano«-Abschnitt (z. B. als zweites Echo in Brahms’ »O Gott, du frommer Gott« nach zwei anderen Plena), sonst nutzt sich der Sound schnell ab. Denn ein richtig interessanter Mixturklang ist das meistens nicht.
malle235 hat geschrieben:Pedal:
Baßzink: Ersatz für eine 16' Zunge, falls diese zu laut ist, spricht auch schneller an
Pedalmixtur/Hintersatz: oft mehrchöriger und höher als Rauschpfeife: gut eignet für virtuose Pedalstellen
Stimmt beides oft. Ich ergänze: Wenn die Pedamixtur deutlich klingt und an Stärke mit dem HW-Plenum gleichzieht, taugt sie auch gut für Fugenspiel mit Pedal, ohne dass man gleich die HW-Pedal-Koppel benutzt oder Zungen dazuzieht. Das ist oft vom Spieltisch aus nicht leicht einzuschätzen, da klingt ein Pedalpleno manchmal etwas schwach, selbst wenn es im Raum funktioniert.

Aber schön, dass Du Dich für die Gemischten und ihren brauchbaren Einsatz interessierst. Vor denen haben manche Organisten – vor allem, pardon, Nebenamtler – eher Angst. Sie gehören aber unbedingt zum Musizieren an der Orgel dazu und machen es interessant und vielfältig. Deswegen: Nie aufhören, Neues auszuprobieren mit den Pfeifensträußchen!

Viel Spaß
Friedrich

malle235
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Re: Registrieren mit Mixturen

Beitrag von malle235 » Montag 4. Juli 2016, 13:36

Hallo Friedrich!
Ich stimme dir auf jeden Fall zu, dass man die klanglichen Ressourcen ordentlich ausnutzen sollte.
Mixturen gehören definitiv zu Orgel dazu, ich finde sie können auch eher mittelmäßigem Spiel schmeicheln (also bei nur wenigen Stimmen oder kleinen Ungenauigkeiten, das klingt mit Mixtur gleich total bombastisch und kleine Sachen gehen unter - grobe Fehler sind dann natürlich viel schlimmer) :mrgreen:

ich finde bei Mixturen den Tonbereich ab c''-c''' (oder noch höher) besonders wichtig. Wenn sich da ein Stück routinemäßig bewegt, evtl. sogar mit Akkorden... das kann richtig schreiend werden. Mancher 4' oder 2' ist da allein schon unerträglich...

Ich bin allgemein ein großer Fan von Mixturen in Schwellwerken, einfach weil man viel besser regulieren kann. Ein zerlegtes Kornett oder die Klangkrone lässt sich wunderbar lautstärkemäßig an die Begleitstimmen anpassen
Außerdem habe ich das Gefühl, dass ein geschlossener Schweller doch die sehr hohen Frequenzen relativ gut schluckt, so dass die Mixtur als Farbtupfer wirkt
z.B. ist die Lückenregistrierung Bordun 16' Holzprinzipal 8' und dann ne hohe Oktavzimbel bei geschlossenem Schweller eine für meinen Geschmack ganz reizvolle Kombination (würde man nicht unbedingt erwarten) - schön grundtönig mit etwas Lametta :-)
ansonsten kann man konventioneller Weise auch 4'+2' dazunehmen...

trommet16
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Re: Registrieren mit Mixturen

Beitrag von trommet16 » Mittwoch 6. Juli 2016, 21:43

Ich möchte Friedrich voll und ganz zustimmen!

Wenn ihr das Gefühl habt eure Mixtur ist zu laut/grell/schrill/hoch versucht mal, sie euch vorspielen lassen und hört euch das ganze vom Raum aus an!

Solcena
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Re: Ja bitte! (war: Re: Registrieren mit Mixturen)

Beitrag von Solcena » Donnerstag 7. Juli 2016, 13:32

Auch von meiner Seite herzlichen Dank für das engagierte Mixtureneinsatz-im-LO-Plädoyer von Friedrich!
Friedrich Sprondel hat geschrieben: Der Hauptwerksprinzipalchor gibt in meinen Ohren (bei geeigneten Nebenwerken und kräftig registriertem Pedal) übrigens auch ein schönes Choralsolo ab, mit oder ohne Trompete 8', besonders bei modalen, alten Melodien. Sogar einen kolorierten Buxtehude-Choral kann man prima mit der Hauptwerksmixtur heraussingen. Einfach mal probieren!
Bitte dazu auch wirklich das HW benutzen. So etwas hier (hatten wir schon mal) macht m.E. keinen Spaß und putscht die Gemeinde nicht wirklich auf.
Ippenstein hat geschrieben: Beim Vorspiel gehe ich von meiner Regel aus, daß es maximal so laut wie die Registrierung für den Gesang sein darf. Daher käme eine Mixtur nur dann in Frage, wenn ich das Vorspiel so registrieren kann, daß es nicht zu laut ist.
Hmmh, eine Fanfare zum Halleluja oder zu besonders freudigen Gesängen kann bei mir durchaus schon mal lauter registriert sein bzw. enden als die eigentliche Liedbegleitung.

olds
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Re: Registrieren mit Mixturen

Beitrag von olds » Donnerstag 7. Juli 2016, 14:40

Zumindest in ländlichen katholischen Kirchen ist eine kraftvolle Hinführung zum Halleluja auch wirklich nötig, damit "auf dem Mannhaus", die eine Hälfte der körperlich Anwesenden zum Evangelium aus dem Schlaf erwacht und die andere Hälfte endlich bemerkt, dass es langsam wichtig wird und ihre Gespräche einstellt.

Ippenstein
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Re: Registrieren mit Mixturen

Beitrag von Ippenstein » Freitag 8. Juli 2016, 07:17

Ja, das katholische Halleluja habe ich vergessen. Mea culpa. In der Tat wurde es da bei mir auch laut. In der evangelischen Liturgie bleibt mir da keine Möglichkeit des Vorspiels bzw müsste ich das mal besprechen.

kernspalter
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Re: Registrieren mit Mixturen

Beitrag von kernspalter » Freitag 8. Juli 2016, 08:02

Ein kräftiges Vorspiel ist nicht nur beim Halleluja angebracht. In der katholischen Liturgie können auch Introitus, Gloria und Sanctus schmetternd intoniert werden. Und auch im evangelischen Gottesdienst kommen "freudige Gesänge" vor, die eine Fanfare als Intro vertragen.

Ich bin außerdem der Meinung, dass nicht nur besonders fröhliche Gesänge kräftig intoniert werden dürfen. Warum soll ich die Mixtur bei "Ein feste Burg ist unser Gott" oder "Aus tiefer Not schrei ich zu dir" stecken lassen?
Mit kernspalterischen Grüßen

chp
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Re: Registrieren mit Mixturen

Beitrag von chp » Dienstag 12. Juli 2016, 13:36

Hallo,

bei uns (II/P16-19) kommt, wenn ich spiele, die Mixtur außer im Advent und in der Fastenzeit zumindest beim Halleluja (Vorspiel und Gemeindeantwort) immer zum Einsatz. Zum Halleluja in der Osternacht gibt es zum einzigen Mal im Jahr ein Tutti zur Gemeindebegleitung.

Dann verwende ich das volle Plenum regelmäßig zum Eingangs und Schlusslied, Gloria, Sanktus, natürlich abhängig davon, wieviele Gottesdienstbesucher anwesend sind und wie mitgesungen wird.

Am vergangenen Sonntag gab es bei uns beispielsweise eine Taufe im Hochamt. Eltern und Großeltern waren/sind aktive Gemeindemitglieder, dann war eine ganze Reihe von Freunde der Eltern da usw. Auf dem Liedplan standen u.a. GL 169 (Stimmer-Salzeder-Gloria), 389 ("Dass du mich einstimmen lässt..."), 468 ("Gott gab uns Atem"), aus dem Nord-Anhang GL 873 ("Wenn Menschen sich vergessen"), 882 ("Du bist das Brot..."), 834 ("Du bist heilig, du bringst Heil"), 808 ("Jesus, Gottes Lamm"), also alles NGL-Richtung. Dazu gab es noch 2 Lieder mit Gitarre und E-Piano gab es auch, der Rest wurde von mir an der Orgel begleitet. Der Gesang war dann so kräftig, dass ich fast ständig zur Mixtur greifen und auch die Zunge 16' im Pedal ziehen musste. Von 389 (Dankgesang nach der Kommunion) waren beispielsweise nur 4 Strophen vorgesehen, aber die Leute sangen so kräftig und begeistert mit, dass ich alle Strophen singen ließ und mit vollem Plenum spielte.

Meine Erfahrung ist, dass die Orgel sehr deutlich zu hören sein sollte, überall sehr präsent sein sollte. Dann singen die Leute am besten mit. Unsere Mixtur 4fach (1 1/3' - 1/2', ab c 2'-2/3', ab c' 2 2/3-1', ab c'' 4'-1 1/3') ist klar und strahlend, aber nicht schrill aggressiv, das animiert die Leute vielfach zum kräftigen mitsingen.

Die Zunge des Brustwerks (kräftige Oboe, fast wie eine kleine Trompete) verwende ich zusammen mit dem "zerlegten Kornett" eher für Vorspiele zum Gloria o.ä. Überhaupt nutze ich für Vorspiele natürlich die Möglichkeiten des Brustwerks (zerlegtes Kornett, Salicional, Sifflet 1', Oboe). 8 Register bieten ja immerhin (2^6)*3 = 192 Möglichkeiten, wenn mindestens einer der beiden 8' gezogen ist.

Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.

olds
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Re: Registrieren mit Mixturen

Beitrag von olds » Mittwoch 13. Juli 2016, 08:16

Als meist nur "Eine-Mixtur-zur-Verfügung-Haber":

Ist es überhaupt vorgesehen, die hohen Mixturen Scharff und/ oder Zymbel mitzunehmen, so ohne deren großen Bruder, das mache ich halt schon gern, jetzt wo ich die Gelegenheit habe?

Oder ist das von der Klangwirkung her quatsch?

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Friedrich Sprondel
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Re: Registrieren mit Mixturen

Beitrag von Friedrich Sprondel » Mittwoch 13. Juli 2016, 11:19

olds hat geschrieben:Als meist nur "Eine-Mixtur-zur-Verfügung-Haber":
Ist es überhaupt vorgesehen, die hohen Mixturen Scharff und/ oder Zymbel mitzunehmen, so ohne deren großen Bruder, das mache ich halt schon gern, jetzt wo ich die Gelegenheit habe?
Oder ist das von der Klangwirkung her quatsch?
Klarer Fall: Das müssen Dir erstmal Deine Ohren sagen. :D

Wenn ein Prinzipalchor zwei Mixturen besitzt und die eine deutlich höher als die andere liegt, dann ist die höhere in erster Linie als Fortsetzung der tieferen gedacht. Ob sie auch ohne sie überzeugt, muss man ausprobieren. Es gibt auch die Luxuskombi Mixtur major & Mixtur minor, was oft bedeutet: major mit 16'-Bezug ungefähr ab Klaviaturmitte, minor auf 8' bezogen. Da kann man sich dann anhören, was die Mixturen zusammen so anstellen – ein Gewinn an Glanz und Intensität ist zu erwarten, aber keine weitere Auffächerung in die Höhe. Silbermanns Mixtur-Cymbel-Paare scheinen von dieser Art gewesen zu sein, die überlappen sich bis auf den tiefsten Mixturchor.

Die Golls haben sich ein Mixtur-Zimbel-Paar ausgedacht, in dem die Zimbel scheinbar wild repetiert; in Wirklichkeit macht sie aus der großen Mixtur, die nach norddeutscher Art ansteigend repetiert, ein flächiges französisches Plein jeu, indem sie deren Ansteigen durch ihre Repetitionen maskiert. Soll ganz gut funktionieren, wenn man’s denn will.

Einen Scharf würde ich als meistens einzige Nebenwerksmixtur erwarten. Er soll dann den dortigen Prinzipalchor selbständig bekrönen. Wie gut das gelingt, bleibt auch zu erhorchen. Einige Orgelbaulehrbücher sagen, der müsse mit einer Oktavlücke beginnen (z. B. 1' – 1/2' – 1/3' – 1/4'), das ist aber nicht immer so; sobald eine Quinte unten liegt, folgt oben ein Oktav-Quint-Aufbau. Der Scharf kann also auch einfach eine etwas engere, hochliegende Mixtur sein. Meistens hat er ein Prinzipal 4' zur Basis, da muss man dann sehen, was die 2'-Lage kann – wenn’s z. B. eine Flöte ist, ob sie sich dem Prinzipalchor einfügt. Wenn nicht, übernimmt der Scharf die 2'-Lage wahrscheinlich selber, spätestens ab c', und verzichtet unterhalb davon einfach darauf.

Viele Grüße
Friedrich

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