Orgelbauer-Kosten je St., Fahrzeit, km-Pauschale...

Diskussionen rund um Orgelneubau, Orgelrestauration, Register, Technik, usw.
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dieterich
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Orgelbauer-Kosten je St., Fahrzeit, km-Pauschale...

Beitrag von dieterich » Freitag 13. Juli 2018, 10:06

Guten Tag!
Ich denke, es ist für viele hier interessant, auszutauschen, zu wissen, welche Kosten heutzutage für Orgelbauer üblich sind:
1) Stundenlohn inkl. Mwst.
2) Kosten je St. Anfahrtzeit u. dgl.
3) Kosten je St. Wartezeit bei Anfahrt (auf Bahnanschluss u.a.)
4) km-Pauschale der real gefahrenen km mit pkw
5) ca. durchschnittl. Zeitansatz für die Neuinonation eines Register

Vielen Dank im Voraus! Dieter

Voceumana
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Re: Orgelbauer-Kosten je St., Fahrzeit, km-Pauschale...

Beitrag von Voceumana » Freitag 13. Juli 2018, 10:17

Ich kann mir vorstellen, dass das zwar interessant zum Vergleich ist, aber, abgesehen von 1. relativ irrelevant, da diese Wahl doch hauptsächlich von der handwerklichen Qualität und dem individuellen Geschmack abhängen sollte.
Ich beauftrage den Orgelbauer,
- mit dem ein Wartungsvertrag besteht.
- der die Orgel neu gebaut bzw. zuletzt umgebaut oder intoniert hat.
- dem ich eine Intonation zutraue.
- dem ich eine Stimmung zutraue.

Damit sind alle anderen Kosten (und genaugenommen auch der Stundenlohn) dann eigentlich egal.

dieterich
Beiträge: 23
Registriert: Donnerstag 5. Mai 2016, 11:27

Re: Orgelbauer-Kosten je St., Fahrzeit, km-Pauschale...

Beitrag von dieterich » Freitag 13. Juli 2018, 10:31

...wohl dem, dem die Kosten egal sein können...
Aber selbst die bitte ich um ug. Zahlen, Erfahrungswerte...
Vielen Dank! Dieter

kernspalter
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Re: Orgelbauer-Kosten je St., Fahrzeit, km-Pauschale...

Beitrag von kernspalter » Samstag 14. Juli 2018, 12:06

Arbeitsstunden sind zunächst mal Arbeitsstunden, egal ob die im Fahrzeug, in der Werkstatt oder am Montageort anfallen.

Stundenlöhne hängen davon ab, ob sie einem Lehrling, Gesellen oder Meister bezahlt werden.

Ein aktuelles Angebot, das ich vor mir habe, berechnet für einen Intonateur knapp 60 Euro plus MwSt, dann sind wir bei gut 70 Euro.

Eine andere Firma kam anno 2016 auf denselben Satz (58,80 Euro + MwSt) als "durchschnittlichen Stundenlohn":
http://www.orgelbau-rohlf.de/themen/preise.htm

Wieviel Zeit die Neuintonation eines Registers benötigt, hängt von vielerlei Faktoren ab. Wenn wirklich neu intoniert wird, ist der Zeitaufwand hoch, das können locker 10 Stunden pro Register werden. Zungen sind aufwendiger als Labiale. Oft kommt man um Zusatzarbeiten wie Rücken oder Anlängen nicht herum.
Mit kernspalterischen Grüßen

Ippenstein
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Re: Orgelbauer-Kosten je St., Fahrzeit, km-Pauschale...

Beitrag von Ippenstein » Sonntag 15. Juli 2018, 08:21

Nicht Stundenlohn sondern Stundenverrechnungssatz. Das ist ein himmelweiter Unterschied.

kernspalter
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Re: Orgelbauer-Kosten je St., Fahrzeit, km-Pauschale...

Beitrag von kernspalter » Sonntag 15. Juli 2018, 09:15

Ippenstein hat geschrieben:
Sonntag 15. Juli 2018, 08:21
Nicht Stundenlohn sondern Stundenverrechnungssatz. Das ist ein himmelweiter Unterschied.
Ja, richtig. Rohlf kalkuliert seinen Stundensatz ausgehend vom "durchschnittlichen Stundenlohn". So wars gemeint.
Mit kernspalterischen Grüßen

RhönOrgelbauer
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Re: Orgelbauer-Kosten je St., Fahrzeit, km-Pauschale...

Beitrag von RhönOrgelbauer » Samstag 4. August 2018, 12:07

Hallo zusammen,

zum Thema Stundenverrechnungssatz im Orgelbau stellt der Bund deutscher Orgelbaumeister (BDO) eine interessante Info-Seite zur Verfügung:
https://deutscher-orgelbau.de/orgelwert/

Der Stundenverrechnungssatz (natürlich je nach Region, Lohnniveau, Größe und Eigenarten des Betriebs unterschiedlich) ist die eine Seite.
Die für die Arbeit aufgewendete Zeit die andere.
Es gibt Orgelbauer mit hohen Stundensätzen, die arbeiten im Laufschritt ..., und es gibt Orgelbauer mit eher niedrigen Verrechnungssätzen, die sich richtig viel Zeit für ihre Aufgabe nehmen. Entscheidend ist letztlich das Ergebnis!

Viele Grüße
RhO

Dorforgler
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Re: Orgelbauer-Kosten je St., Fahrzeit, km-Pauschale...

Beitrag von Dorforgler » Freitag 10. August 2018, 18:51

Sicherlich ist es mal interessant zu sehen, wie sich die Stundenkostenzusammensetzung eines Orgelbauers zu anderen Handwerkersparten verhaelt - aber auch ich finde die Fragestellung eigentlich ziemlich unsinnig, wenn es um eine konkretes Orgelprojekt gehen sollte.

Bis auf ganz, ganz wenige Ausnahmen bzw. akute Notfaelle wird wohl keine Gemeinde einen Orgelbauer auf Stundenbasis beauftragen, oder?
Die Regel (auch bei Wartungen!) ist ja wohl immer noch, dass bei klar definiertem Pflichtenheft ein "Fixpreis" aushandelt/angeboten wird - und dann juckt es mich auch echt nicht, wie der Orgelbauer die Sache nun intern kalkuliert... :twisted:

Von "Geiz ist geil" kann ich definitiv nur abraten - und erster Ansprechpartner ist sowieso zunaechst der Orgelbauer, der die jetzige Wartung inne hat. Von einer laengeren, beiderseits(!) gut geplegten Geschaeftsbeziehung haben beide Seiten eigentlich nur Vorteile.

Ronald Henrici
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Re: Orgelbauer-Kosten je St., Fahrzeit, km-Pauschale...

Beitrag von Ronald Henrici » Freitag 10. August 2018, 21:21

Dem Statement von Dorforgler darf ich nur beipflichten. Die Gemeinden tun sehr gut daran, mit einem Orgelbauer auf Dauer einen Wartungsvertrag abzuschließen. Denn der Orgelbauer ist daran interessiert, bei der Wartung die Gemeinde auf evtl. anstehende umfangreichere Reparaturen frühzeitig hinzuweisen, wenn bestimmte Wartungsarbeiten nicht mehr durchführbar werden, wenn nicht im Vorfeld auf evtl. zukünftige umfangreichere Arbeiten hingewiesen wird.

Bei den Wartungsarbeiten kann auf auftretende Defekte am Instrument hingewiesen werden, die bei Verzögerungen in der Abstellung der auftretenden Fehler die Reparaturen aufwendiger und deshalb auch teurer werden.
Ein Orgelbauer, der durch die langjährig bestehenden Wartungsverträge die entsprechenden Orgeln sehr gut kennt, gibt logischerweise einen wesentlich günstigeren Kostenanschlag für anstehende Reparaturen, die den Wartungsvertrag übersteigen, ab als ein fremder Orgelbauer, der das Instrument nicht kennt. Denn die Kenntnis des Instruments sorgt für eine konkretere Eingrenzung notwendiger Arbeiten.

Viele Fehler oder Defekte lassen sich bei den Wartungsarbeiten sehr gut beheben, auch wenn es zu einem höheren Zeitaufwand kommt. Dafür hat er bei einem anderen Wartungstermin an der gleichen Orgel unter Umständen einen geringeren Zeitaufwand.

Sehr gut dabei ist es , wenn die Gemeinde ein Wartungsheft führt, das im Orgelspieltisch liegt und dadurch jedem Spieler des Instruments kundtut, wie es derzeit mit dem Instrument "steht" und evtl. beim Spiel Schaltungen, verstimmte Register, hängende Schleifen etc. vermeiden kann.

Gruß
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)

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