Bedeutende Orgel von 1928 bedroht!

Diskussionen rund um Orgelneubau, Orgelrestauration, Register, Technik, usw.
Roland Eberlein
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Bedeutende Orgel von 1928 bedroht!

Beitrag von Roland Eberlein » Samstag 14. Februar 2009, 12:47

Eine der größen erhalten Orgeln der Zwischenkriegszeit steht vollkommen unverändert in der Stadtpfarrkirche Bühl Leider gibt es derzeit massivste Bestrebungen, das Instrument ganz oder gar in Teilen (nämlich nur das Pfeifenwerk) zu veräußern. Der Wert dieser großartigen Orgel wird völlig verkannt.

Informationen, Fotos und Klangbeispiele zu dieser bedrohten Orgel finden sich auf der Homepage des Fördervereins zur Erhaltung der historischen Schwarz-Orgel der Stadtpfarrkirche in Bühl e.V.:
http://www.schwarzorgel-buehl.eu/

Daraus geht hervor: Erbaut wurde die Orgel im Jahr 1928 von der Überlinger Firma Friedrich Wilhelm Schwarz als Opus 224. Es ist mit III/64 + 3 Transmissionen das größte je gebaute Werk dieser Firma. Die Einweihung fand unter Mitwirkung des bekannten Organisten Prof. Ernst Kaller, eines wichtigen Vertreters der frühen Orgelbewegung, statt. Viele Details deuten darauf hin, dass die Orgel bis auf das Gehäuse komplett von der in aller Welt bekannten Orgelbaufirma E.F.Walcker & Cie aus Ludwigsburg gebaut und von Schwarz in Bühl nur aufgestellt wurde.

Bemerkenswert sind die in dieser Orgel bereits erkennbaren Ansätze der Orgelbewegung, sichtbar z.B. an den Registern Rankett 16' oder Sing. Cornet 2' und Bachflöte 2' (= offenes Nachthorn). Deutlich ist aber auch noch der Einfluss der Spätromantik feststellbar an Registern wie Violine 8', Unda maris 8', Flûte harmonique 8', Aeoline 8', Voix céleste 8', Salicetbass 16' usw. Manche Register wie die labiale Aeoline 16', die schwebende 2fache Aeolsharfe 2', die lochgedackte Waldflöte 2', die durchschlagende Clarinette 8' oder die Orchesteroboe 8' sind heute europaweite Raritäten. Grundiert wird der Klang durch ein mächtiges Pedalwerk, welches sogar eine fundamentale 32'-Tuba mit Holzbechern aufweist.

Der Spieltisch ist dem ursprünglichen Spieltisch der Domorgel in St. Blasien (Schwarz 1912) sowie vielen Spieltischen der Firmen Walcker sehr ähnlich. Das Instrument ist sei der Erbauung nie verändert worden. Vom originalen Ventus Gebläse bis hin zu jeder einzelnen Pfeife ist alles im Originalzustand erhalten geblieben. Das Besondere an diesem Instrument ist, dass es in einer wirtschaftlich extrem schwierigen Zeit alleine von den Spenden Bühler Bürgern finanziert wurde. Die Kirchengemeinde bezahlte keine einzige Reichsmark. Die enormen Kosten waren erst im Jahr 1938 abgezahlt.

Seit 1976 ist das Instrument stillgelegt zugunsten einer Chororgel von Rieger mit III/47. Josef von Glatter-Götz, der damalige Chef der Fa. Rieger, bestand jedoch darauf, dass die Schwarzorgel nicht abgerissen werden durfte. Seiner Meinung nach könnten vielleicht spätere Generationen daran Interesse finden - ein wirklich einzigartiger Weitblick eines Orgelbauers in dieser Zeit!!

Leider gibt es derzeit massivste Bestrebungen das Instrument ganz oder gar in Teilen (Pfeifenwerk) zu veräußern. So gibt es z.B. Verhandlungen über einen Verkauf an die Bonifatiuskirche in Gießen (dort will man eine vorhandene neobarocke Orgel aus den 1960er-Jahren loswerden, weil der Organist ein Faible für romantische Klänge hat, siehe http://www.perle-der-empore.de/deu/orge ... richt.html ). Eine wie auch immer geartete Erhaltung am Standort Bühl unter Trägerschaft des „Fördervereins zur Erhaltung der historischen Schwarz-Orgel“ wird aus unbekannten Gründen von Seiten des Orgelreferates im Erzbistum Freiburg strikt abgelehnt. Dort wird von dem zuständigen Sachbearbeiter Willi Frank die Auffassung vertreten, der Verkauf der Orgel sei „eine rein innerkirchliche Angelegenheit, die den Förderverein oder dessen Funktionäre nichts angeht. Das Gleiche gilt für die Frage, ob das Instrument nach den Bestimmungen des baden-württembergischen Denkmalschutzgesetzes als Kulturdenkmal zu betrachten ist oder nicht.“

Und das bei einer Orgel, die ausschließlich von den Bühler Bürgern, nicht von der katholischen Kirchengemeinde oder gar dem Erzbischöflichen Ordinariat, bezahlt worden ist - eine bodenlose Frechheit!!

Über den Denkmalwert der Orgel äußerte sich der genannte Sachbearbeiter so: „Die von uns eingeholten unabhängigen Gutachten lassen es als wenig wahrscheinlich erscheinen, dass dem Instrument ein Denkmalwert zugesprochen werden kann. Dies liegt darin begründet, dass das Instrument von Anfang an trotz der Qualität des Pfeifenmaterials und der Originalität der Disposition an handwerklich-technische Konstruktionsmängeln litt, insbesondere in den Bereichen Traktur und Windversorgung.“

Tatsächlich ist die Orgel aber so solide und unverwüstlich gebaut, daß sie 2007, nach 48 Jahren Gottesdienstgebrauch und 31 Jahren pflegeloser Stillegung, bei einer Untersuchung durch Matz & Luge ohne große Probleme in einen bespielbaren Zustand versetzt werden konnte. Alle Bälge bis auf einen defekten sind dicht. Der Orgelbauer Matz kam zu dem Urteil, das Instrument sei in sehr großen Teilen spielbar und besteche durch einmalige schöne Klangeigenschaften.

Ein Verkauf in Teilen, etwa nur des Pfeifenwerks, zerstört diese bedeutende Denkmalsorgel vollständig. Denn das einzigartige Pfeifenwerk ist auf die originalen Walcker'schen Taschenladen angewiesen, mit Schleifladen ist der Klang nicht zu erreichen. Die Orgel ist ein in sich geschlossenes technisches wie klangliches Zeugnis seiner Entstehungszeit und als solches unverändert, womöglich am originalen Standort, zu erhalten. Der Förderverein verdient jede Unterstützung bei diesem Bestreben!

Grobgehackt
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1928

Beitrag von Grobgehackt » Samstag 14. Februar 2009, 13:16

So alt die Tonaufnahmen der Schwarz-Orgel (1971) auch sein mögen: Ich finde sie einfach traumhaft. Ein solches Zeugnis, das sogar noch im Pfeifenwerk sehr gut erhalten ist, muss einfach erhalten werden.
Da mögen manche skeptisch sein betreff der damaligen Orgelbewegung, aber wo wären wir heute ohne diese Entwicklungen??
Hut ab vor den Bühler Bürgern, die dieses Instrument vor 80 Jahren finanziert hatten. Das allein ist schon ein DENKMAL wert.

Ebenfalls aus 1928 stammt eine Walcker-Orgel, die momentan renoviert wird: Martin-Luther-Kirche in Ulm, siehe http://www.orgelfreundeulm.de/favorite.htm
Also: es geht doch!

Pierre Lauwers
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Beitrag von Pierre Lauwers » Dienstag 17. Februar 2009, 11:44

Ich auch bin mit die 1971 Aufnahme begeistert.
Ich offene eine Thread auf die französischer Forum, und werde fragen, alle mitgliedern einen E-Mail zu die Verein zu schicken. Dass konnte helfen etwa wie ein Petition.
Dieser Orgel scheint zu dasselbe Stil als späterer Dalstein-Haerpfer Orgeln zu gehören, die hochs in Kurs heute in Frankreich sind. Und vergessen wir auch nicht die grosse Walcker-Orgeln dieser Zeits, die weg sind (Reinoldikirche ehemaliges Orgel, Michaelis Hamburg...). Zuviel diesen Orgeln sind bereits weg.

Martin Dufais
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Beitrag von Martin Dufais » Dienstag 17. Februar 2009, 14:37

Vielleicht wäre es sinnvoll, auch die Verantwortlichen in St. Bonifatius Gießen, welche das Pfeifenwerk der Bühler Orgel aufkaufen wollen, anzuschreiben und um eine Revision Ihres Beschlusses zu bitten. Der Beschluss vom 6.5.08 ist nachzulesen auf der Homepage der Gemeinde:

http://www.bonifatius-giessen.de/gruppe ... olle/#c760

und lautet so:

"TOP 4 Orgel Die neue Orgel wird nicht aus dem laufenden Haushalt finanziert. Es ist vorgesehen, eine Orgel mit hervorragendem Pfeifenmaterial aus Bühl zu erwerben und zwischen zu lagern. Die Pfarrgemeinde in Bühl wurde angefragt. Sollte ein akzeptables Angebot abgegeben werden, wird gemeinsam mit dem Orgelsachverständigen des BO eine Ausschreibung vorgenommen für: Abbau Orgel in Bühl Lagerung Pfeifenmaterial Technischer Neubau Damit hätte der Förderverein eine Grundlage für Gespräche mit Sponsoren."

Um die neue Orgel in Gießen zu erstellen, soll also nicht nur die eigene Orgel aus den 1960er-Jahren, sondern auch die Bühler Orgel vernichtet werden, obwohl man ihren Wert offenbar kennt („hervorragendes Pfeifenmaterial“). Da wird anscheinend rücksichtslos über Orgelleichen gegangen!

Die Kontaktadresse findet sich hier:

http://www.bonifatius-giessen.de/service/impressum/

Pierre Lauwers
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Beitrag von Pierre Lauwers » Dienstag 17. Februar 2009, 21:55

Das werde folgen....Giessen ? Ist das nicht der Ort, wo ein Orgel von J-N Holzhey von Link restauriert war ?

Roland Eberlein
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Beitrag von Roland Eberlein » Dienstag 17. Februar 2009, 21:58

Nein, Holzhey war nie in Gießen. Gießen liegt in Hessen und nicht in Schwaben.

Pierre Lauwers
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Beitrag von Pierre Lauwers » Mittwoch 18. Februar 2009, 08:00

Minger Fehler: es war Schiessen, nicht Giessen...

Niels

Beitrag von Niels » Mittwoch 18. Februar 2009, 10:28

Aus der Internetseite der Gemeinde:

"Stand Dezember 2008 wurden bereits über 111.000 EUR für die „Perle der Empore” gespendet.
Die geschätzten Gesamtkosten für einen Orgelneubau liegen bei etwa 800.000 EUR, ein gutes Stück Weg liegt also noch vor uns. Allerdings werden auch kostengünstigere Varianten geprüft, beispielsweise die Übernahme von wertvollem Pfeifenmaterial einer stillgelegten Orgel."

:arrow: http://www.perle-der-empore.de/

Roland Eberlein
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Beitrag von Roland Eberlein » Mittwoch 18. Februar 2009, 11:28

Auf dem ersten Blick scheint ja alles ganz klar und einfach zu sein. Laut Schreiben des Landeskonservators Dr. Johannes Wilhelm vom 23.7.08
http://www.schwarzorgel-buehl.eu/expert ... m_2008.pdf
ist die Bühler Orgel ein Kulturdenkmal gemäß §2 DSchG des Landes Baden-Württemberg:
http://www.rp.baden-wuerttemberg.de/ser ... -dschg.pdf

Also sollte sie eigentlich geschützt sein. Denn dort steht:

§2 (1) Kulturdenkmale im Sinne dieses Gesetzes sind Sachen, Sachgesamtheiten und Teile von Sachen, an deren Erhaltung aus wissenschaftlichen, künstlerischen oder heimatgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht.

Über diese Kulturdenkmale wird dann in §8 bestimmt:

(1) Ein Kulturdenkmal darf nur mit Genehmigung der Denkmalschutzbehörde
1. zerstört oder beseitigt werden,
2. in seinem Erscheinungsbild beeinträchtigt werden
oder
3. aus seiner Umgebung entfernt werden, soweit diese für den Denkmalwert von wesentlicher Bedeutung ist

§ 27 besagt dann, daß eine Ordnungswidrigkeit, begeht, der diese Handlungen ohne Genehmigung der Denkmalschutzbehörde vornimmt. Diese Ordnungswidrigkeit kann (laut Fassung 1983, inzwischen wohl geändert) „mit einer Geldbuße bis zu 100 000, in besonders schweren Fällen bis zu 500 000 Deutsche Mark geahndet werden.“

Soweit ist alles klar - aber §11 Absatz 2 sagt:

§ 7 Abs. 1, § 8 sowie § 15 Abs. 1 und 2 finden keine Anwendung auf Kulturdenkmale, die im kirchlichen Eigentum stehen, soweit sie dem Gottesdienst dienen und die Kirchen im Einvernehmen mit der obersten Denkmalschutzbehörde eigene Vorschriften zum Schutze dieser Kulturdenkmale erlassen.

Die Erzdiözese Freiburg kann also ihre eigenen Denkmalschutzbestimmungen erlassen und wenn der dortige Referent für Orgelfragen Willi Frank zu der Einschätzung kommt, die Bühler Orgel sei nicht denkmalswürdig, dann ist dagegen nur äußerst schwer vorzugehen.

Roland Eberlein
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Beitrag von Roland Eberlein » Donnerstag 19. Februar 2009, 11:24

Die letzte Entscheidung über den Verkauf der Orgel fällen Pfarrer und Pfarrgemeinderat in Bühl. Allerdings stehen diese unter einem gewissen Druck von Seiten der Erzdiözese, die Orgel zu verkaufen. Es ist daher dringend notwendig, dem Pfarrgemeinderat den Rücken zu stärken. Vielen Mitgliedern dürfte gar nicht bewußt sein, welch einen historischen Wert ihre Schwarz-Orgel hat. Also sollte ihnen dieser Wert von möglichst vielen Personen aus der Orgelwelt bewußt gemacht werden - bisher wurde die Orgel vom Orgelreferat Freiburg immer nur schlecht gemacht; man steht dort anscheinend immer noch auf dem Standpunkt der Orgelbewegung, daß pneumatische Instrumente per se nichts taugen und abgerissen werden müssen.

Ich habe mich daher entschlossen, nachfolgenden Brief an die Pfarrgemeinde in Bühl zu richten und möchte anregen, daß auch andere sich diesen Text, wenn Sie ihn für richtig halten, in einen Brief kopieren, mit eigenem Namen und Adresse versehen und unterzeichnet an die Gemeinde senden.

-------------------------------------------------------------------
An die
Kath. Pfarrgemeinde St. Peter und Paul
Eisenbahnstr. 1
77815 Bühl

Hochwürden Herr Stadtpfarrer Geißler, sehr geehrte Damen und Herren des Pfarrgemeinderats,

im Internet habe ich von dem Vorhaben erfahren, das Pfeifenwerk Ihrer historischen Schwarz-Orgel zu verkaufen. Dies würde die unwiederbringliche Vernichtung dieser einmaligen, historisch sehr wertvollen Orgel bedeuten. Denn selbst wenn deren Pfeifenwerk vollständig in eine neue Orgel übernommen werden würde, wäre die ursprüngliche Klangwirkung dahin. Der originale Klang kann nur im Zusammenwirken mit den historischen Windladen entstehen, Laden dieser Technik werden aber heute nicht mehr hergestellt. Ich würde die Vernichtung der historischen Schwarz-Orgel zutiefst bedauern und möchte Sie dringend bitten, ja anflehen, von diesem Vorhaben Abstand zu nehmen.

Eine Zerfledderung dieses Instruments wäre aus meiner Sicht ein großer, nicht wieder gutzumachender musikalischer und historischer Verlust. Denn die Bühler Orgel enthält Register, die heute in keiner anderen Orgel mehr existieren. Sie ist eine der letzten ganz großen Orgeln aus den 1920er-Jahren, die noch erhalten sind in Deutschland, und eignet sich in einmaliger Weise zur authentischen Darstellung der großen Orgelwerke des frühen 20. Jahrhunderts, z.B. von Max Reger und Sigfrid Karg-Elert.

Möglicherweise sind diese Argumente aus ihrer Sicht nicht sonderlich schwerwiegend angesichts des großen Geldbedarfs in Zusammenhang mit der Renovierung Ihrer Kirche. Doch möchte ich Sie bitten, bei Ihrer Entscheidung auch noch folgendes zu bedenken:

Wir leben in einer Zeit, in der sich die Orgelwelt wieder zunehmend der spätromantischen Musik und ihren Orgeln zuwendet: Mit der Schwarz-Orgel vergleichbare Orgeln wie z.B. die Orgel von 1928 im Bremer Konzertsaal „Die Glocke“ oder jene von 1925 in der Kirche St. Moritz zu Halle/Saale sind in den letzten Jahren mit großer Sorgfalt an Ort und Stelle restauriert worden und werden seitdem gepflegt und ausgiebig genutzt. Darüber hinaus werden neue Orgeln im spätromantischen Stil geplant und gebaut. Zum Beispiel wurde 2007 mit einem Aufwand von über 1 Million Euro in Weiden/Oberpfalz eine „Max-Reger-Orgel“ erbaut. Ein ebenfalls spätromantisch orientiertes neues Instrument in der Größe der Bühler Orgel soll demnächst - wiederum für einen Millionenbetrag - in der Elbphilharmonie in Hamburg entstehen. Auf der anderen Seite wendet sich die Orgelwelt derzeit ab von den neobarocken Instrumenten der 1960er- und 1970er-Jahre und fordert (oft ungerechtfertigterweise) deren Abriß. An ihre Stelle sollen Instrumente treten, die romantische Musik adäquat darstellen können. Die potentiellen Käufer der Orgelpfeifen aus der Schwarz-Orgel sind der beste Beleg für diese Tendenz: Eine neobarocke Orgel der 1960er-Jahre soll dort ersetzt werden durch eine neue Orgel, welche auch die Darstellung romantischer Orgelmusik ermöglicht.

Es ist abzusehen, daß diese generellen Tendenzen des heutigen Orgelwesens sehr bald auch Bühl erreichen werden. Künftige Organisten, Orgelsachverständige und Orgelreferenten werden mit hoher Wahrscheinlichkeit mit der Rieger-Orgel wegen ihrer neobarocken Stilistik unzufrieden sein und auf einen Umbau oder gar Neubau dringen. Die Rieger-Orgel wird nach 40-50 Jahren Mängel und Verschleißerscheinungen aufweisen, die eine gründliche Überarbeitung erforderlich machen. Diese werden - wie in tausend anderen Fällen - den Anlaß hergeben für einen Um- oder gar Neubau mit Kosten von mindestens einigen Hunderttausend Euro. Die Bühler Bürger werden somit den Verkauf der Schwarz-Orgel bereits in wenigen Jahren bitter bereuen und sehr, sehr teuer bezahlen. Denn vielleicht wird es dann sogar Bestrebungen geben, die Schwarz-Orgel zu rekonstruierten. Das würde nach heutigen Preisen schätzungsweise 1,5 Millionen Euro kosten, etwa das 30-50fache des heutigen Erlöses für das Pfeifenwerk, und das Ergebnis wäre dann doch nur ein Imitat, nicht das historische Original, das die Bühler jetzt (noch) besitzen!

In wenigen Jahren werden viele Bühler den heutigen Entscheidungsträgern also mit Recht vorwerfen: Wie konntet Ihr nur eine vollkommen originale, absolut einzigartige spätromantische Orgel von monumentaler Größe für einen Bruchteil ihres Wertes verkaufen! Wäre sie noch vorhanden, könnte sie die Rieger-Orgel musikalisch wunderbar ergänzen und wir bräuchten jetzt keine neue Orgel!

Und sicherlich wird dann noch ein weiterer Vorwurf im Raum stehen: Die Großeltern einiger heutiger Bühler haben in einer schlimmen Notzeit die Kosten einer Orgel aufgebracht, die größer ist als jede Orgel, die heute oder in Zukunft von den Bühlern je wird bezahlt werden können. Sie haben ganz offensichtlich dabei nicht nur an sich, sondern auch an ihre Nachfahren gedacht. Ein solch großherziges Vermächtnis darf man nicht mutwillig verschleudern, sondern man muß es bewahren für nachfolgende Generationen!

Ich appelliere an Sie als Entscheidungsträger: Beweisen sie Weitsicht, und verkaufen Sie die Schwarz-Orgel nicht! Ermöglichen Sie vielmehr einen Übergang dieser für den Gottesdienstgebrauch nicht mehr benötigten Orgel in die Trägerschaft ihres lokalen Fördervereins - und die Bühler werden Ihnen schon in wenigen Jahren dafür danken!

Mit freundlichen Grüßen

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Beitrag von Administrator » Donnerstag 19. Februar 2009, 15:36

Hallo zusammen,

bevor die Diskussion hier ein wenig emotionell wird:

Ich habe an den Förderverein, wie auch an Herrn Geißler eine Mail mit Bitte um Stellungnahme geschickt. Ich hoffe, von deren Seite neue Einsichten und Einblicke in die Situation zu erhalten. Selbstverständlich informiere ich auf unseren Seiten, sobald sich von dort etwas tut.
Also wartet mit dem Brief vielleicht noch 2-3 Tage.

Primarius

Bedeutete Orgel von 1928 bedroht !

Beitrag von Primarius » Donnerstag 19. Februar 2009, 16:06

"Bedauerlicherweise wurde seitens des Bistums bereits eine kath.
Kirchengemeinde in Hessen gefunden, die mit aller Entschlossenheit
und Unterstützung der örtlichen Sachverständigen daran arbeitet,
die vollständige erhaltene Bühler Orgel von 1928 (...) auszuschlachten."

An welchem Punkt steht man gegenwärtig - wie steinig ist der Weg zu einem Ziel ?
- Eine neutrale Einschätzung auf Fakten und Tatsachen beruhend -

Sowohl der hessische OSV als auch der zuständige OSV des Erzbistums Freiburg wissen sicher um das genaue Prozedere in ihren Bezirken. Ich könnte mir auch gut vorstellen, daß mancher OSV sich zwischen den Stühlen befindet und deswegen sich nicht so frei bewegen kann, wie er eigentlich gerne möchte.
Kurzum: man will ja gegenüber der übergeordneten Behörde gut dastehen und es sich nicht verscherzen. Inwieweit diese vorangetriebene Sache „Bühl“ durch das dafür zuständige Orgelreferat des Erzbistums Freiburg schon gediehen ist, kann ich nicht beurteilen.
Um auf den Brief des Landekonservators bezüglich des Denkmalschutzes zu kommen:
Dieses Schreiben stuft diese Orgel ausdrücklich als „Kulturdenkmal gemäß des Denkmalschutzgesetzes“ ein. Nimmt man das erste Gutachten aus dem Jahre 1991 dazu, so gibt es schon alleine zwei eindeutige Verwaltungsakte für dieses Instrument in der dafür zuständigen Denkmalbehörde.
Doch gelinde gesagt: in diversen Bistümern / Diözesen mag es Personen geben, die es in keiner Weise interessiert, wie mit einem solchen Erbe unter denkmalschutzspezifischen Kriterien umgegangen wird. (Ich verweise gerne auf den detailierten Beitrag von Herrn Roland Eberlein vom 18.02.2009, "Denkmalschutz")
Sind wir doch ganz ehrlich: so manches Instrument musste in Nacht- und Nebelaktionen zugunsten eines Neubaus weichen. Es gibt genügend Beispiele dafür !
Fakt ist leider auch, dass sich (noch) nicht viele Köpfe mit Thema Pneumatik umfassend auseinander gesetzt haben. Wären wir noch 30 Jahre zurück, könnte man u. U. dies gerade noch nachvollziehen. Doch hat schon lange ein Umdenken statt gefunden. Leider haben dies anscheinend (noch) nicht alle mit bekommen. Um es abschließend auf den Punkt zu bringen:
Unabhängig von den eher destruktiven Plänen des zuständigen Orgelreferates der Erzdiözese, sollte es unser aller Anliegen sein, dieses Kulturgut mit Seltenheitswert an seinem derzeitigen Ort zu erhalten und wieder spielbar zu machen. Viele erfolgreiche Projekte dieser Art zeugen davon, daß dies möglich ist ! Dem Verein sollte alle mögliche Hilfe zukommen, da dieser in seiner Arbeit „von oben“ erheblich behindert wird.
Einziger Strohhalm in dem undurchsichtigen Terrain: immerhin gibt es ein beiderseitiges, positives Einvernehmen zwischen der Gemeindeleitung der kath. Stadtpfarrkirche in Bühl und dem Förderverein zur Erhaltung der historischen Schwarzorgel in der Stadtpfarrkirche Bühl (Baden) e.V.

Bleibt nur noch zum Beschlusse anzumerken:

"Erleuchte, die da sind verblendt,
bring heim, die sich von dir getrennt;
versammle, die zerstreuet gehn,
und stärke, die im Zweifel stehen." (T: nach Johann Hermann 1630)

Mit besten Grüßen

Primarius

Primarius

Orgel von 1928 bedroht

Beitrag von Primarius » Donnerstag 19. Februar 2009, 16:14

Liebe Forummitglieder und Mitleser,

ich danke Herrn Dr. Eberlein herzlich für seinen umfassenden Beitrag zum Thema "Schwarz-Orgel" Bühl. Nachstehend möchte ich zu diesem sehr heilken und traurigen Unterfangen aufschlussreiche Fakten beisteuern, da ich mich mit dieser Materie schon seit längerer Zeit befasse und zu dem Verein Kontakt aufgenommen habe.

„Und was wäre dann eine "ausgeplünderte" Orgel wert ?
Wie denkt ihr darüber ?“

Das Instrument ist wie gesagt seit 1976 still gelegt. Ich durfte dieses Werk schon vor einigen Jahren kennen lernen im Rahmen einer Studienfahrt durch die Orgelregion Oberrhein. Seit dem hat mich diese Orgel nicht mehr los gelassen. Fakt ist, daß das größte Opus aus dem Hause E.F.W. Schwarz vollständig erhalten ist. Ein befreundeter Kollege mittlerweile im Pensionsalter spielte auf diesem Instrument häufig Gottesdienste bis kurz vor der Stilllegung 1976. Nach seiner Auskunft gab es keinen größeren Probleme mit dem Instrument. Er gibt zu, daß das Instrument damals sicher nicht mehr dem Zeitgeschmack entsprach und urteilt lobend über das Opus von Schwarz.
Zum gegenwärtigen Zustand:
die Orgel ist seit vielen Jahren vom Stromnetz aus sicherheitsrelevanten Gründen (alte Stromleitungen aus den 1920iger Jahren) abgeklemmt. März 2007 wurde eine Orgelbaufirma zu einem umfassenden Gutachten beauftragt, um das Werk genauestens zu katalogisieren. Es wurde um ein fachliches Urteil aus der Sicht des Orgelbauers gebeten, was auch in einem sehr detailierten Gutachten vorliegt. Dieses Gutachten liegt für die interessierte Öffentlichkeit leider nicht zugänglich vor. Die beauftragte Orgelbaufirma ist zweifelsohne eine sehr gute und innovative Firma im Bereich des Orgelneubaus. Doch hat dieser Betrieb keinerlei umfassende Reverenzen im Bereich der Renovation von pneumatischen Großinstrumenten vorzuweisen wie dies andere Firmen in Ostdeutschland oder am Niederrhein aufzeigen können. Mittlerweile mag man die Meinung in vielen Punkten durch neue Erfahrungen und Erkenntnisse sicher revidiert haben. Im Rahmen der Bestandsaufnahmen wurde das Werk mittels eines Hilfsventilator wieder an das Stromnetz angeschlossen. Ein unbeschreiblicher ergreifender Klang erfüllte kurze Zeit das Kirchenschiff. Bis auf geringe Einbußen war der Großteil der Orgel weitgehend klanglich funktionstüchtig. Somit ist das Instrument durch einen behelfsmäßigen Stromanschluss auch jeder Zeit spielbar.
Fazit: das einzigste Gutachten wurde aber wiederum bis dato heute nicht verändert. Es dient als Basis für Entscheidungen. Namhafte Vergleichsgutachten von wirklich sehr renommierten Orgelbaubetreiben in puncto Pneumatik wurden nicht in Auftrag gegeben.
Bedauerlicherweise wurde seitens des Bistums bereits eine kath. Kirchengemeinde in Hessen (www.perle-der-empore.de) gefunden, die mit aller Entschlossenheit und Unterstützung der örtlichen Sachverständigen daran arbeitet die Bühler Orgel für ihre Zwecke nachweislich auszuschlachten. Fakt ist, daß die für die Orgel dort vorgesehene Emporenkammer vom Raumvolumen her noch wesentlich kleiner als das Bühler Exemplar ist. Gehandelt wird das Pfeifenmaterial gegenwärtig in der Summe von 10.000 – 50.000 €.
Was wäre die teilweise "ausgeplünderte" Orgel wert? Soll dieses unersetzliche Dokument der deutschen Orgelbewegung einfach so abgerissen werden? Die Ziele des Fördervereins sind ja auf dessen Homepage detailiert nachlesbar.

Zum baldigen Beginn der österlichen Bußzeit kann ich nur sagen:
„An Wasserflüssen Babylons da saßen wir und weinten...“

Primarius

Primarius

Bedeutete Orgel von 1928 bedroht !

Beitrag von Primarius » Donnerstag 19. Februar 2009, 17:11

Lieber Mitglieder des Forums,
Liebe Mitleser,

mit nun einem vorerst letzten Beitrag zu diesem anscheinend sehr heißen Thema, möchte ich mich noch zu weiteren nachfolgenden Zitaten nähere Fakten benennen. Ich habe mich in wichtige Briefe an den Förderverein einlesen können und bin dafür extra nach Bühl angereist.
Ich kann nur darauf hinweisen, daß der ortsansässige Förderverein sich sehr ambitioniert um dieses Thema annimmt und in seinen Briefwechseln sehr transparent - wenn auch unter den bekannten schwierigen Bedingungen, zu arbeiten versucht. Selbst einige Fachleute der Orgelprominenz haben in letzter Zeit zum Förderverein gefunden. Nachfolgendes möge gerne allen Lesern zur weiteren und allgemeinen Meinungsbildung dienen !

„Einziger Strohhalm in dem undurchsichtigen Terrain:
immerhin gibt es ein beiderseitiges, positives Einvernehmen zwischen der Gemeindeleitung der kath. Stadtpfarrkirche in Bühl und dem Förderverein zur Erhaltung der historischen Schwarzorgel in der Stadtpfarrkirche Bühl (Baden) e.V.“

Das Orgelreferat des Bistum wird sicherlich irgendwann zum einem Entschluß reifen. Wie dieser Entschluß letztendlich lauten wird, liest sich schon seit längerer Zeit sehr eindeutig aus den, an den Förderverein gerichteten Briefe des Orgelreferates: „Das Instrument wird definitiv in Bühl nicht mehr spielen“ (Aussage des EBO Freiburg und Tageszeitung „Badisches Tagesblatt“). Als weiteres Argument wird angeführt, die Pfarrgemeinde könne sich keine zwei Großorgeln in der Unterhaltung leisten.
Das Unterhaltskriterium leuchtet einem ja sofort ein, es geht nicht. Doch genau an diesem Punkt möchte der Verein ansetzen !
Dieser Verein will bewahren, instandsetzen (Renovation) und für die Wartung aufkommen. Dafür muss aber erst mal sprichwörtlich die Kuh vom Eis sein – das Instrument in Bühl bleiben. Das Instrument stört keinen, steht nicht im Weg und wird auf die Jahre hin auch nicht schlechter. So war dies ja auch über die letzten 30 Jahre der Fall. Zudem ist es klimatisch geschützt (durchgeführte Doppelverglasung des Turmfesters).

„Und wie kann, wenn Einvernehmen zwischen Förderverein und Kirchengemeinde herrscht, das [einzigste existierende] Orgelgutachten unter Verschluss gehalten werden ?“

Letztendlich wird der ansässige Pfarrgemeinderat über die (Nicht-)Veräußerung des Instrumentes entscheiden. Fakt ist auch, daß was „von oben“ her als gut geheißen und anempfohlen wird, meist an der Basis zugunsten in deren Sinne entschieden bzw. verabschiedet wird.
Auf das Gutachten zukommen:
es wird nach wie vor unter Verschluß gehalten. Wie viele Exemplare es von diesem Gutachten gibt, dürfte an einer Hand abzuzählen sein: Orgelreferat (Auftragsgeber), OSV, Pfarrgemeinde und der Orgelbaubetrieb [und eventuell Gießen.]
Warum der Verein nicht an dieses Gutachten gelangt, könnte darin begründet liegen, daß von oben "jegliche Unternehmungen und Einmischungen in kircheninterne Angelegenheiten zu unterlassen sind". Sprich: dem Verein werden die Hände gebunden.
Allein die gesamte Orgelakte von St. Peter und Paul kann nicht eingesehen werden, da diese in den Fängen des Adlers liegen und wie ein Augapfel gehütet werden. Auf Ebene der Pfarrei verhält man sich stattdessen lieber gerne sehr vorsichtig aus Gründen von negativen, unangenehmen Erfahrungen aus der Vergangenheit heraus. Dies ist auch unter den gegebenen Umständen auch sehr gut nachvollziehbar.
Der Kontakt zwischen Pfarrgemeindeleitung und Förderverein wird aber durch diese destruktiven Kräfte gottseidank nicht berührt. Die Transparenz bezüglich der Sachlage wäre sicher ideal, hätte man Einblicke in das Gutachten und in die Orgelakte.

„Der Plan, für das Veräußern des Pfeifenwerkes einige Zehntausend Euro zu erzielen, wird doch wohl mit etwas Öffentlichkeitsarbeit des Vereins in Bühl (über die dortige Presse?) zu verhindern sein, ganz abgesehen davon, ob die Mittel für eine Renovierung zur Verfügung derzeit schon zur Verfügung stehen.“

Thema „Öffentlichkeitsarbeit und Presse“: Die Presse vor Ort berichtete bereits mehrfach über das Instrument. Sicher wird dies auch zukünftig möglich sein. Nichtsdestotrotz standen nicht wenige Pressemitteilungen der Vergangenheit unter keinem guten Omen: die Presse vor Ort informierte sich vorab telefonisch bei Pfarrei und im Orgelreferat der Erzdiözese Freiburg. Dem zuständigen Redakteur lag bisher immer eine Pressemappe vom Verein vor. Leider wurden häufig wichtige Punkte, die der klaren Darlegung von Fakten dienen, nicht vollständig wiedergegeben. Soweit, so gut. In den schriftlichen Darlegungen der Tagespresse waren aber die „Machtaussagen“ aus Freiburg weitaus gewichtiger und zahlreicher vorhanden, als die von Pfarrei und des Fördervereins. Political Correctness ist in Anbetracht der Dringlichkeit der Bühler Schwarzorgel nicht mehr opportun.

„Natürlich wäre eine alsbaldige Renovierung dieser Orgel (und Aufzeigen eines möglichen Nutzungskonzeptes) wichtig, um den dauerhaften Erhalt zu gewährleisten.“

Zur Finanzierung: Konzepte sind schon da und in der Schublade. Doch jedes Projekt bedarf grundsätzlich einer bestimmten Vorlaufzeit und daß hat nur Sinn, wenn die Kuh vom Eis ist und vor Ort gesichert ist. Erst dann haben potentielle (Groß)sponsoren ihre Spendenbereitschaft zugesichert. Man streckt doch kein Geld für eine Sache vor, die noch nicht in trockenen Tüchern ist. Grund: Freiburg blockiert, schüchtert nach wie vor ein und beabsichtigt nachhaltig das Motto „Die Orgel wird in Bühl nicht mehr spielen“, da man es für „unwahrscheinlich erachtet“, dass dem Instrument ein Denkmalwert zugesprochen werden kann.
„I have a dream“: Freiburg und Gießen nehmen von diesem Projekt Abstand. Dadurch kehrt erstens der sehr in Schieflage geratene Bühler Hausfrieden in der Tat wieder ein, zweitens, die Pfarrei und der Förderverein sitzen nicht mehr zwischen Stühlen und können sich ihrer Sache um die Orgel ohne Knüppel zwischen den Beinen annehmen sowie drittens wären dann auch die allgemeinen Emotionen in Bühl und großere Weiten darüber hinaus bezüglich „von oben“ passé. Aufatmen wäre das richtige Ergebnis ! „Yes we can“ !

„Mein Rat an den Förderverein: die im Entstehen begriffene HP unbedingt um neutrale Stimmen aus kundigem Mund bzgl. der Qualität des Instrumentes [...] ergänzen, vgl. die HP zum vorgesehenen Ausbau der Reinoldiorgel in Dortmund.“

Diese Seite ist auf meine Nachfrage an den Verein, bekannt. Genau diese Dinge sind ja angedacht und sind in der ständigen Aktualisierung der HP begriffen.

Es bleibt nach wie vor offen, wie der Verlauf des "Freiburger Orgelkrimis" ausgehen wird. Dies liegt letztendlich nur einzig alleine (noch) an den Entscheidungen „von oben“.
Ich bin dennoch zuversichtlich, daß in dieser Angelegenheit noch nicht das letzte Wort gesprochen wurde. Dennoch sollte dies nicht zu emotional aufgegriffen werden und sachlich diskutiert werden. In der Ruhe liegt die Kraft !

Angesichts der nach wie vor bedauernswerten Lage kann man nur wärmstens Psalm 64 zum persönlichen Studium empfehlen. Dieser Psalm trifft genau den Kern !


herzlichst

Primarius

Primarius

Bedeutete Orgel von 1928 bedroht !

Beitrag von Primarius » Donnerstag 19. Februar 2009, 19:21

Liebe Forummitglieder,

nachstehend eine Stellungsnahme auf eine persönliche Nachricht auf einer anderen Internetplattform und eines soeben an mich gerichteten Telefonanrufes. Ich möchte noch vor der abendlichen Chorprobe der Bitte nachkommen, folgende neue, nachstehende Fragen aufgreifen, nach gegebener Aktenlage beantworten und ggf. persönlich dazu Lösungsansätze anfügen. (Doch jetzt kehrt hoffentlich bei mir auch mal etwas Ruhe ein. Ich habe ja schließlich noch einen anderen Beruf zu erfüllen.)

„Ich kann mir nach dem "Gang an die Öffentlichkeit" durch die Arbeit des Fördervereins bzw. auch die Diskussion hier und anderswo eigentlich nicht mehr vorstellen, dass die Orgelbaufirma weiterhin ein Interesse an dem Projekt in der geplanten Form (Ausschlachtung) haben wird. Ich nehme an, es ist der innovative Orgelbauer, der die erste Bestandsaufnahme mit dem provisorischen Gebläse vorgenommen hat?“

Deine Einschätzung ist richtig begründet. Um es noch besser zu konkretisieren:
Die Orgelbaufirma des erstellten Gutachtens hat ja in vielen Punkten mittlerweile umgedacht.
Was jedoch einmal in nur einem (teueren) Gutachten schriftlich verfasst wurde liegt nun mal vor.
Für jeden Orgelneubau, Orgelrenovation /-rekonstruktion, sei es auch nur eine Ausreinigung, liegen je nach Fall minimum drei oder mehrere Angebote von unterschiedlichen Orgelbaubetrieben vor. Auf dieser Basis wird eine allgemeine konsensfähige Entscheidungsfindung vielfach gut möglich sein.
Nur in Bühl sah man von weiteren unabhängigen Gutachten ab – aus bestimmten Gründen ? Bevor man grundsätzlich an ein Orgelprojekt geht, sollte es selbstverständlich sein, vorab erst einmal ein umfassendes Aktenstudium und die nötigen Recherchen zu betreiben, um dann eine Ausgangsbasis zu haben. Sicher, zugegeben sehr zeitaufwendig.
Nach 2007 konnte die für das Gutachten beauftragte Orgelfirma in der Zwischenzeit neue Einblicke an Orgeln des gleichen oder ähnlichen Systems gewinnen. Mit diesen neu gewonnenen Erkenntnissen sieht man Bühl nun in einem neuen revidierten „Licht“ :
„Madame Schwarz“ soll gegenüber den anderen gewonnenen Einblicken von vergleichbaren oder Orgeln ähnlichen Systems dagegen im Vergleich durch handwerklich soliden Aufbau unterhalb des Pfeifenwerkes gekennzeichnet sein.
Doch diese neuen Sichtweisen werden „von oben“ nicht (unbedingt) wahrgenommen oder auch andererseits „von unten“ aus nicht bekannten Gründen neu formuliert. Was den Orgelbaubetrieb und das provisorische Gebläse anbelangt, es betrifft natürlich die durchgeführte, erste Bestandsaufnahme.
Fazit: die Orgelbaufirma wird bezüglich dem Fall „Schwarz“ sicher mental mit einer (leicht) inneren Unruhe leben. Ich könnte mir gut vorstellen, daß man denn Wunsch hat, das Instrument vor Ort zu erhalten. Der Orgelbaubetrieb birgt für das gegenwärtige Prozedere „Bühl“ der endgültigen Entscheidungsfindung sicher keine große Gefahr. Doch aber das Gutachten ! Die Hauptproblematik liegt einzig und zuletzt bei den Parteien in der Marginale „Freiburg“ und „Gießen“. Weitere unabhängige Gutachten von „den“ Fachmännern auf diesem Gebiet in puncto „pneumatische Ladensysteme“ wären doch sehr zu empfehlen.

„Eine Ausplünderung solch einer seltenen großen Zwischenkriegs-Orgel nach den Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte heute noch durchzuführen, wäre wirklich kein Ruhmesblatt. Darauf könnte kein Orgelbauer stolz sein!“

Sicher, kein Orgelbauer wird darauf in heutiger Zeit stolz sein. Doch da gibt es ja noch andere Gremien, die in einer Angelegenheit mit im Boot sitzen (OSV, Orgelreferat der jeweiligen Diözese oder Landeskirche, [Denkmalbehörde je nach Instrument] und dann auch die Auftragsgeber Kirchengemeinde und vielfach der/die örtliche Kirchenmusiker/in).
Um dies auf den Fall Bühl zu übertragen:
es wäre sehr wünschenswert, wenn gewisse Personen einmal mehr „Weitsicht“ zeigen würden und in (dem) bestimmten laufenden Verfahren lernen, von „persönlichen Ideologien“ Abstand zu nehmen. Fachlich sollte man grundsätzlich auf Augenhöhe aller Beteiligten mitsprechen können, was das komplette Sachwissen im Orgelbau bezüglich Systemen, Funktionalität und Zusammenhängen en detail umfasst. Aus eigener Erfahrung und anderer Kollegen:
man muss sich in seinem Beruf ständig weiterbilden – man lernt nie aus ! Von bestimmten Personen darf dies kraft Amtes zwingend verlangt werden.
Motto sollte sein: mein Anspruch, sich jeden Tag wieder neu zu bewerben ! Auch jeder Chorleiter bewirbt sich in jeder Chorprobe neu um sein Ensembles wie auch umgekehrt.
Fragestellung an "die" gewisse(n) Person(en): schon erfolgt ?

„Weiterhin müssten die Verantwortlichen in Gießen (Pfarrei, Kantor) noch dafür sensibilisiert werden, daß das Instrument sehr wohl noch zu retten wäre und eine Ausschlachtung die Zerstörung eines bedeutenden Kulturdenkmals bedeuten würde.“

Nach Auskunft des Fördervereins wurden die Verantwortlichen in Gießen bereits schon in einem Brief im Jahr 2008 angeschrieben. Dieser war inhaltlich mit der höflichen Bitte um Abstand von dem Projekt zunehmen, verbunden. Eine Antwort aus Gießen darauf gab es an den Förderverein bis heute nicht. Doch es gab eine Reaktion darauf: eine Retourkutsche per Post „von oben“: „Sie [der Förderverein] mischen sich zum wiederholten Male in innerkirchliche Angelegenheiten ein...“. Gießen hat demnach das Orgelreferat Freiburg über den eingegangen „Bittbrief“ des Fördervereins (sicher) informiert. Die Pfarrgemeindeleitung in Bühl hat demnach leider bis heute keinen lückenlosen, umfassenden Einblick in die gesamte Aktenlage aller Briefwechsel, was die involvierten Parteien „höherer Ebene“ zum Thema Bühl betrifft - obwohl die Stadtpfarrei Bühl doch immer hin und wieder Berührungspunkte mit „oben“ hatte bzw. hat.
Es dürfte sicher jeder herauslesen können, in welchen Parteien das gegenwärtige Problem beheimatet sein dürfte: die Basis (Pfarrei, Förderverein, Fachwelt, Bürger etc.) arbeitet mit Transparenz und rödelt wie ein „brüllender Löwe“. Der bzw. die OSV agieren (wohl teils) zwischen den Stühlen, egal wie man sich verhält – es wird „oben“ nicht Recht sein. Und „oben“ laufen die eigentlichen Fäden zwischen „Baden“ und „Hessen“ zusammen.
Ein gut gemeinter Tipp zum Schluß:
es wäre sehr zur Empfehlung angeraten, wenn man sich in Hessen einmal auch auf die Lage in Bühl besinnen könnte und mit sich dort ins Gericht geht. Denn, es gibt sicher ohne Zweifel genügend anderweitige Alternativen an Pfeifenmaterial zu kommen. Dies gilt es prüfen ! Als Postscriptum einige wertvolle Hinweise.

Zum Mendelssohn-Jahr 2009 ein Zitat:

„Was betrübest du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.“ (aus Ps. 43)

An Alle winterliche Grüße und einen geruhsamen Abend

Primarius (geht jetzt dirgieren)


PS.

Stadthalle Viersen, Klais 1914-15, ca. III/50
mit Hochdruckregistern, seit 1977 ohne den Prospekt auf Lager
in der Schule Wallerfangen – Ihn

Paris, Salle Pleyel, Cavaillé-Coll 1930, ca. IV 60,
auf Lager bei Orgelbauer Jean Deloye

Paris, Theatre Pigalle, Cavaillé-Coll 1932, ca. III 55,
auf Lager bei der Manufacture Vogesienne Bernard Dargassis

Orgelzentrum Valley Dr. Lampl –
Hier könnten Sie ca. 20 deutsch-romantische Großorgeln (u.a. auch im deutsch-romantischen Stil) oder originales romantisches Pfeifenwerk günstigst bekommen.

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