Bittner Orgelbau - Infos/Dispos/Photos gefragt

Diskussionen rund um Orgelneubau, Orgelrestauration, Register, Technik, usw.
Philip van den Berg
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Bittner Orgelbau - Infos/Dispos/Photos gefragt

Beitrag von Philip van den Berg » Sonntag 30. Januar 2011, 20:58

Ich habe angefangen die Instrumente der Hilpoltsteiner/Eichstätter und Nürnberger Orgelbauer Bittner für mich zu Dokumentieren. Die Firmen sollen zwischen Ende 18. Jahrhundert und die 1970-er über 600 Orgel gebaut haben. Ich habe eine Werkliste von knapp 400 Instrumenten aber nicht mal 50 Dispostionen und noch viel weniger Bilder.

Deswegen diesen Aufruf an die Orgelforum Teilnehmer und Besucher mir alle Infos und Bilder zu schicken die Ihr habt.

Vielen Dank im voraus.

Philip
philip[punkt]vandenberg[at]planet[punkt]nl

Bild
Nürnberg, St. Elisabethkirche - 1903, IIP/38 - Bild: René Troost auf www.orgbase.nl, mit Erlaubnis vom Fotografen plaziert
Zuletzt geändert von Philip van den Berg am Montag 31. Januar 2011, 13:38, insgesamt 1-mal geändert.

Ippenstein
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Beitrag von Ippenstein » Sonntag 30. Januar 2011, 21:53

Hallihallo,

einerseits eine Buchempfehlung: Fischer/Wohnhaas: G. F. Steinmeyer und sein Werk. Frankfurt 1978

Andererseits natürlich die Empfehlung, vor Ort Autopsien zu machen. Denn oft genug stimmen die Dispositionsangaben aus irgendeinem Grund nicht. So unterscheiden sich bspw. die Dispositionen der Parabrahmorgel von Eichewalde auf Wikipedia mit der auf der Orgelbauerseite.

In Bamberg mir bekannte Steinmeyer-Orgeln:

St. Jakob pneumatisch 2/17 restauriert und in den Urzustand versetzt
St. Elisabeth pneumatisch 2/13 Urzustand

diese beiden sind teilpneumatisch. Sie sind in der Umbruchszeit von mechanisch auf pneumatisch gebaut!!!

Desweiteren:

Kirche der englischen Fräulein 2/15 pneumatisch
St. Otto elektropneumatisch 2/37 (1927) Urzustand
St. Martin Barker 2/37 (1890) - restauriert und in den Urzustand versetzt

Erlöserkirche 2/? mechanisch rel. neu.

Sicherlich versteckt sich noch die eine oder andere Steinmeyer-Orgel in Bamberg, aber ich kenne nicht jede.

Auf dem Lande tummeln sich auch noch einige größere und kleinere.

Grüße

Ippenstein

Martin Dufais
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Beitrag von Martin Dufais » Montag 31. Januar 2011, 09:27

Äh, könnte es sein, dass Sie auf dem falschen Dampfer sind? In der Anfrage ging es um Orgeln der Firma Bittner, nicht um Orgeln der Firma Steinmeyer!

Ippenstein
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Beitrag von Ippenstein » Montag 31. Januar 2011, 10:28

Autsch! Geschlafen.... :?

Ok, Bittner habe ich nur eine, aber sehr interessante, da fast vollständig erhalten, anzubieten.

Dorfkirche 96120 Trosdorf, 7/I 1864, mechanisch, Tonumfang Manual 4 Oktaven, Pedal 2 Oktaven.

Disposition:
Hohlflöte 8
Gedeckt 8
Prinzipal 4
Flöte 4
Oktave 2
Mixtur 2 fach 1 1/2
Subbaß 16

Philip van den Berg
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Beitrag von Philip van den Berg » Montag 31. Januar 2011, 14:05

Vielen Dank, Ippenstein(meyer) ;-)

wärest du in der Gelegenheit mir mal ein(ige) Bild(er) zukommen zu lassen? Ich bin gespannt wie diese Bittner-Orgel aussieht.

'Pedal 2 Oktaven' heisst C-h, stimmt's?
Ist das Pedal ständig angehängt oder gibt es ein P+M Koppel?
Gibt es noch andere Spielhilfen?

Und dan noche eine Frage: ist der Name vom Orgelbauer angeschrieben? Es gabt in 1864 nl. zwei verwandte Firmen Bittner, einer in Nürnberg und einer in Eichstätt.

Grüsse,

Philip

Ippenstein
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Beitrag von Ippenstein » Montag 31. Januar 2011, 15:10

Ist leider nichts angeschrieben. Soweit ich aber weiß, war es der Nürnberger Bittner.

Das Pedal geht von C - c1 und der Manualumfang ist 49 Tasten.
Das Pedal ist angehängt und hat als einzigen eigenen Zug den Subbaß.

Bilder muß ich erst schießen. Die Farbe des Orgelgehäuses hat sich aber im Laufe der Zeit geändert. So habe ich noch ein Bild vom Anfang der 1980er Jahre, auf dem es braun gestrichen war. Unter der jetzigen roten Farbe verbirgt sich jedoch ein grauer Anstrich, der durch Abschabungen zum Vorschein kommt. Im Pfarramt gibt es einige Bilder über den Bau der Kirche und ev. auch über die Orgel. Ich muß mir das bei Gelegenheit mal ansehen.

Das Orgelgehäuse selbst bildet mit dem Altar (früher mit der gesamten Inneneinrichtung) eine Einheit.

Bilder kommen, wenn ich wieder in der Kirche zum Photographieren war.

Viele Grüße

Ippenstein

Philip van den Berg
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Beitrag von Philip van den Berg » Montag 31. Januar 2011, 23:35

vielen Dank schon mal für die Mühe!

Dorforganist
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Beitrag von Dorforganist » Donnerstag 3. Februar 2011, 00:11

Scheint ein nicht sehr ergiebiges Feld zu sein...

Georg Brenninger führt in seinem Buch "Orgeln in Altbayern" von 1978 eine Orgel von August-Ferdinand-Bittner (jun.) aus Nürnberg von ungefähr 1870 in der Frauenkirche Pfeffenhausen mit der Disposition

Manual (54 Tasten):
Principal 8
Gamba 8
Flauto traverso 8
Octav 4
Flöte 4
Superoctav 2

Pedal (13 Tasten):
Subbaß 16

und dem Vermerk "ist erhalten" an.

1865 soll er laut Brenninger eine Orgel mit I/10 in die Dingolfinger Franziskanerkirche geliefert haben.

Ferner verweist er auf eine Bittner-Orgel (I/6) vom selben Erbauer in "Greissing", womit aber korrekt die barocke Wallfahrtskirche in Greising im Landkreis Deggendorf (Bayr. Wald) gemeint war. Diese Bittner-Orgel stammte aus 1872 und war eigentlich noch in ganz brauchbarem Zustand, als sie meiner Erinnerung nach ungefähr in den 80er Jahren ersetzt wurde, weil sich die vielen Hochzeits-Orgler mit dem sehr dürftigen Pedalumfang schwer taten. Als Dorforganist einer K.-L.-Edenhofer von 1865 mit kurzer Oktave fand ich das weniger problematisch, zumal die Bittner-Orgel immerhin einen freistehenden Spieltisch mit Blick zum Altar hatte. Über ihren Verbleib weiß ich allerdings nichts.

Die größte mir bekannte - allerdings von Josef - Bittner ist die eingangs gezeigte in St.Elisabeth in Nürnberg, die enorm grundtönig angelegt ist und darüberhinaus mit einer ziemlich lautstarken Traktur aufwarten kann. Sie soll aber 2011 durch Führer für 150.000 EUR grundlegend überarbeitet werden. Zu meinen Favoriten gehört sie nicht unbedingt, aber sie ist ein seltenes Klangdokument.

Ferner führt das Bistum Eichstätt in seiner Orgelliste eine J. Bittner, Eichstätt, mit 7 Registern auf I/P in Seuversholz, Pfarrei Pollenfeld, auf - allerdings mit der Datumsangabe 3.10.1976. Kann vielleicht sein, daß die da um-/neugebaut wurde.

Soweit meine bescheidenen Kenntnisse zu den Bittners. Viel Erfolg bei den weiteren Nachforschungen!

Der Dorforganist

RhönOrgelbauer
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Bittner-Orgeln

Beitrag von RhönOrgelbauer » Freitag 4. Februar 2011, 21:51

Hallo,
die Orgeldatenbank Bayern liefert auf die Eingabe des Orgelbauernamens "Bittner" über 536 Datensätze, zum großen Teil mit Disposition und Quellenhinweisen.

Die Datensammlung ist - inzwischen in einer neuen Version - als CD erhältlich unter
http://www.gfbm.mwn.de/akt_orgel.html

Gruß
RhO

Philip van den Berg
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Beitrag von Philip van den Berg » Montag 7. Februar 2011, 21:12

Ippenstein hat geschrieben: .......
Dorfkirche 96120 Trosdorf, 7/I 1864, mechanisch, Tonumfang Manual 4 Oktaven, Pedal 2 Oktaven.

Disposition:
Hohlflöte 8
Gedeckt 8
Prinzipal 4
Flöte 4
Oktave 2
Mixtur 2 fach 1 1/2
Subbaß 16
Inzwischen habe ich von Ippenstein interessante Bilder von der kleinen Orgel in Trosdorf bekommen, wofür nochmals dank.

So mussen die Bittner viele kleine Dorfsinstrumente gebaut haben. Auffallend ist dass eigentlich alle diese kleinen Orgel von 6-7 Register die ich bis jetzt gefunden habe eine Disposition bis 2 Fuss und öfter sogar eine Mixtur haben, so wie eine Subbass 16 Fs auf Pedal.

Ippenstein
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Beitrag von Ippenstein » Montag 7. Februar 2011, 21:26

Ich würde hier sogar von einer Idealdisposition sprechen. Man muß sie einfach gehört haben. Die Mischfähigkeit der einzelnen Register untereinander ist sowohl für den Gemeindegesang als auch für "konzertantes" Spiel hervorragend. Das Zauberregister ist die Flöte 4, die nicht plump und dick, sondern führend und streichend daherkommt. Durch sie lassen sich als zum Prinzipal gleichberechtigtes Register verschiedene Kombinationen realisieren.

Um die Gemeinde zu begleiten, reichen ein 8 Fuß und ein 4 Fuß - egal welche. Alles weitere ist ad libitum. Eine ebenfalls nette Kombination ist Hohlflöte 8 + Flöte 4 + Oktave 2.

Meine Kollegin benutzte das Prinzipal und die Mixtur nur bei Feiertagen. Ich habe das aufgebrochen und probiere jede mögliche Kombination in den Messen. Mein Liebling: Hohlflöte 8, Flöte 4, Prinzipal 4. Und wenn es etwas ramontischer sein soll, kommt noch das Gedeckt hinzu.

Grüße

Ippenstein

Philip van den Berg
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Beitrag von Philip van den Berg » Montag 7. Februar 2011, 21:30

@ Dorforganist: Danke schön für die Infos:

- Dingolfing und Greising waren mir noch nicht bekannt
- Nürnberg hoffe ich bald zu besuchen
- die Disposition von Pfeffenhausen habe ich gerade von einem Orgel-kontakt bekommen
- Seuversholz war schon via Google zum mir gekommen; das Datum kann stimmen da die Firma noch bis 1990 bestanden hat, und möglicherweise unten den alten Namen J. Bittner geführt wurde

Philip van den Berg
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Re: Bittner-Orgeln

Beitrag von Philip van den Berg » Montag 7. Februar 2011, 21:30

super Tipp, merci!
RhönOrgelbauer hat geschrieben:Hallo,
die Orgeldatenbank Bayern liefert auf die Eingabe des Orgelbauernamens "Bittner" über 536 Datensätze, zum großen Teil mit Disposition und Quellenhinweisen.

Die Datensammlung ist - inzwischen in einer neuen Version - als CD erhältlich unter
http://www.gfbm.mwn.de/akt_orgel.html

Gruß
RhO

Regal8
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Beitrag von Regal8 » Dienstag 15. Februar 2011, 09:41

Hallo Herr van den Berg,
soweit ich gehört habe, wohnt der letzte Eichstätter Orgelbauer Bittner noch in Eichstätt. Bestimmt kann er weitere Auskünfte geben.
Ich selbst hatte mit einer kleinen Bittner-Orgel in Eichstätt das Vergnügen (2 Manual, 16 Register, vollmechanisch, erbaut ca. 1970).
Viel Grüße
Regal8'

Philip van den Berg
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Beitrag von Philip van den Berg » Dienstag 15. Februar 2011, 18:49

Danke, Regal8',

und wie klang die 1970-er Bittner? War da noch etwas van den romantischen Würzel zu spüren?

Und wo steht/stand dieses Instrument? Über die Disposition würde ich mich auch freuen.

Grüsse,

Philip

PS Mit dem Herrn Bittner habe ich schon einen guten Kontakt.

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