25 Register Orgel

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kernspalter
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Re: 25 Register Orgel

Beitrag von kernspalter » Mittwoch 27. Juli 2016, 01:50

Wenn ich mich mit dem Entwerfen von Orgeldispositionen befasse, sind eigentlich immer die ersten Fragen: Was ist das für ein Raum? Was soll die Orgel können? Wo kommt die Orgel hin? Wieviel Platz ist an Höhe/Breite/Tiefe da? Wie kann man die Teilwerke anordnen?

Dann klären sich viele Fragen von selbst. Transmissionen sind meist Notlösungen, die vom Platzangebot diktiert werden - man hat einen großen technischen Aufwand und bekommt dafür einen klanglichen Kompromiß. Einen anständigen Oktavbaß 8' wird man anders mensurieren und intonieren als ein Hauptwerks-Principal 8'. Wenn es sich vom Platz her anbietet, Hauptwerk und Pedal auf gemeinsame Laden zu stellen, kann man meinetwegen über Transmissionen reden.

Wenn die Disposition quasi für den luftleeren Raum erstellt wird, also "nur so zur Übung", würde ich mir die Aufgabe stellen, 25 richtige Register zu disponieren und halbe Sachen (Vorabzüge, Oktavauszüge, Transmissionen) erst mal außen vor zu lassen.
Rankett 16' (zeichnet gut im Baß und gibt Gravität)
Viel mehr Gravität als der Bordun 16' wird dabei eher nicht herauskommen. Die meisten Rankette, die ich kenne, brummeln und surren so vor sich hin. (Das kann auch ganz nett sein.)

Aliquoten und Oboe würde ich auf zwei verschiedene Manuale verteilen. Dann kann z. B. Oboe 8' im Baß gegen eine Mischung mit 2 2/3' + 1 3/5' im Diskant ausgespielt werden.

"String divisions" sind eher etwas für große Orgeln. Bei einer so sparsamen dreimanualigen Orgel würde ich nicht alle Streicher auf ein Manual versammeln. Die Möglichkeit, den stärkeren Streicher durch einen leisen Streicher zu begleiten, fehlt so nämlich. Als Begleitung bleibt nur Bourdon 8' oder die relativ fette Doppelflöte übrig.

Die Frage, was die Orgel können soll, würde ich mir auf jeden Fall stellen. Eine Orgel, die in erster Linie zur Begleitung von Chormusik und Gemeindegesang dienen soll, würde ich etwas anders konzipieren als eine Üb- und Unterrichtsorgel.
Mit kernspalterischen Grüßen

Principalbass16Fuss
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Re: 25 Register Orgel

Beitrag von Principalbass16Fuss » Mittwoch 27. Juli 2016, 22:41

Guten Abend zusammen, nach so langer Zeit mal wieder ein Beitrag von mir! :mrgreen:

In einer (eher mittelgroßen) Kirche meiner ursprünglichen Heimatgegend in Niedersachsen spielte ich vor vielen Jahren einmal für ein paar Stunden auf einer dreimanualigen Orgel mit 24 Registern, die zwischen 1976 und 1978 von der Firma Janke aus Bovenden (bei Göttingen) erbaut wurde und folgende Disposition besaß:

I. RÜCKPOSITIV (C-g''')
Gedackt 8', Praestant 4', Spitzflöte 4', Gemshorn 2', Quinte 1 1/3', Sesquialtera 2fach, Scharf 3-4fach, Krummhorn 8'

II. HAUPTWERK (C-g''')
Praestant 8', Rohrflöte 8', Oktave 4', Blockflöte 4', Nasat 2 2/3', Oktave 2', Mixtur 4-5fach, Dulzian 16'

III. SOLO (C-g''')
Cornett 5fach, Trompete 8'

PEDAL (C-f')
Subbass 16', Prinzipal 8', Oktave 4', Mixtur 6fach, Posaune 16', Trompete 8'

SPIELHILFEN:
Manualkoppeln I/II (als Tritt zum Einhaken) und III/II (als Schiebekoppel)
Pedalkoppeln I/P und II/P (als Tritte zum Einhaken)
Sperrventil für das Pedal (als Tritt zum Einhaken)
Tremulant für die ganze Orgel (als Zug)
Tremulant für das Rückpositiv (als Zug)

Letztendlich eine zweimanualige Orgel, bei der sich die beiden Solo-Register Cornett und Trompete auf der Windlade des Hauptwerkes befinden (Cornett wahrscheinlich hochgebänkt), aber auf einem separaten, dritten Manual spielbar sind. Im Prinzip wie das "Récit"- oder "Echo"-Manual einer klassisch-französischen Orgel, das auch meist nur mit einem 5-fachen Kornett und einer Trompete bestückt ist. Diese für ihre "nur" 24 Register sehr vielseitige Orgel sagte mir sehr zu - jedenfalls für Barockmusik! :D Vor einigen Jahren wurde sie komplett ausgereinigt und erhielt dabei eine neue, ungleichstufige Barock-Stimmung. Allerdings habe ich die Orgel vor ihrer Renovierung gespielt, d.h. noch mit der ehemaligen gleichstufigen Stimmung.

Viele Grüße! :)

Solcena
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Re: 25 Register Orgel

Beitrag von Solcena » Mittwoch 27. Juli 2016, 23:10

Principalbass16Fuss hat geschrieben: In einer (eher mittelgroßen) Kirche meiner ursprünglichen Heimatgegend in Niedersachsen spielte ich vor vielen Jahren einmal für ein paar Stunden auf einer dreimanualigen Orgel mit 24 Registern, die zwischen 1976 und 1978 von der Firma Janke aus Bovenden (bei Göttingen) erbaut wurde (...)
Diese für ihre "nur" 24 Register sehr vielseitige Orgel sagte mir sehr zu - jedenfalls für Barockmusik! :D Vor einigen Jahren wurde sie komplett ausgereinigt (...)
Hier ein Foto.

Principalbass16Fuss
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Re: 25 Register Orgel

Beitrag von Principalbass16Fuss » Mittwoch 27. Juli 2016, 23:36

Tatsächlich, das ist sie! :wink: Das Baujahr ist 1976, renoviert wurde die Orgel im Jahr 2008. Ich bin mir allerdings ZIEMLICH sicher, dass die Pedal-Mixtur nicht (wie in dieser Internet-Disposition angegeben) 4-5fach, sondern 6fach war... vielleicht täusche ich mich auch oder die Pedal-Mixtur wurde bei der Renovierung um 1-2 Chöre reduziert. Das macht man ja durchaus häufig bei der Renovierung neobarocker Orgeln, da deren Klangkronen oft zu schrill waren. Während meiner Studentenzeit in Würzburg übte ich regelmäßig an einer großen Beckerath-Orgel, bei deren Renovierung sämtliche Klangchronen (Mixtur, Scharf, Zimbel...) jeweils um MINDESTENS eine Pfeifenreihe reduziert wurden.

Zu der Janke-Orgel in Schneverdingen ist noch zu sagen, dass ALLE Pfeifen (auch RP-Gedackt und Pedal-Subbass) aus METALL bestehen - ganz nach norddeutsch-barockem Vorbild! :mrgreen:

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