"Fast" nicht genutzte Saalorgeln

Diskussionen rund um Orgelneubau, Orgelrestauration, Register, Technik, usw.
perotin
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Re: "Fast" nicht genutzte Saalorgeln

Beitrag von perotin » Mittwoch 27. August 2014, 21:33

Ronald Henrici hat geschrieben:Meine Erfahrungen mit der Orgel aus dem Feierabendhaus in Ludwigshafen gehören auch hierhin, werde ich an anderer Stelle ausführlich berichten!

Diese Orgel wurde, im Rahmen einer großen Baumaßnahme, vor ein paar Jahren ersatzlos entfernt, wie mir ein leitender Mitarbeiter der Fa. Steinmeyer mitteilte.

Auch in einem Zeitungsartikel ist der Abbau kurz erwähnt:
http://www.genest.de/gfx/Die_Akustik_im ... sartig.pdf

Das Interesse an dem Instrument war wohl tatsächlich in den letzten 20, 30 Jahren gering. Es war aber auch, meiner etwas verschwommenen Erinnerung nach, "nichts besonderes" und konnte in dem akustisch recht trockenen Raum klanglich kaum befriedigen.

Ronald Henrici
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Re: "Fast" nicht genutzte Saalorgeln

Beitrag von Ronald Henrici » Donnerstag 28. August 2014, 20:55

Die Restaurierung und der Umbau des Saales im Feierabendhaus mit den akustischen Verbesserungen zog sich schon einige Jahre hin. Laut dem Zeitungsartikel ist dieser Umbau doch wohl gelungen. Man hatte damals im Jahr 1082 schon die Orgel aus dem hinteren Teil der Bühne aus akustischen Gründen herausgeholt und rechts und links auf den Seitenemporen unmittelbar vor der Bühne wieder aufgebaut und mit einem neuen fahrbaren Spieltisch versehen.Fritz Steinmeier hatte mich darüber informiert, daß dadurch schon eine erhebliche akustische Verbesserung die Orgel betreffend erreicht wurde. es war bekannt, daß der Saal eine sehr trockene Akustik hatte.
Die Umsetzung führte dazu, daß der Sübwestfunk diesen Saal auch öfter für Aufnahmen benutzte, zuletzt nach meiner Recherche beim SWR mit dem Konzert für Orgel und Orchester von Poulenc. die Aufnahme wurde als gut eingestuft.
Wegen der umfangreichen erneuerungen baulicher Art im Saal wurde dann vor wenigen Jahren die Orgel ausgebaut und gelagert in einem Gebäude des Deutschen Philharmonischen Orchesters Ludwigshafen. Ein Konzertpädagoge der Ludwigshafener Konzerthauses stand noch vor zwei Jahren mit email mit mir in Verbindung und hat mit zugesichert, mich zu benachrichtigen, wenn die Orgel wieder aus der Lagerung heraus aufgestellt wird, eventuell an einem anderen Ort, in einem anderen Saal. Leider habe ich bisher noch keine weitere Nachricht, wohl daß sich bei der "Deutschen Philharmonie Ludwigshafen" erwas ändern soll...
Deshalb komme ich mit meiner Dokumentation der besagten Orgel im Momnent auch nicht so recht weiter.
Gruß
Ronald
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Holger

Re: "Fast" nicht genutzte Saalorgeln

Beitrag von Holger » Freitag 29. August 2014, 07:15

Woran mag es wohl liegen, dass so ein mäßiges Interesse an Konzertsaalorgeln besteht?

Zum einen könnte ich mir vorstellen, dass wir ein Land sind, das mit Orgeln jeglicher Couleur bestens ausgestattet ist, nein, sogar gesättigt ist.

Schaut man in das Umfeld eines Konzertsaales, so finden sich sicher viele interessante Orgeln in sakralen Räumen, an denen auch rege musiziert und konzertiert wird. In fast jeder Region dürfte sich im Sommer ein wahrer Reigen von Orgelfestivals und Konzertreihen finden, die Ihr Publikum haben.

In anderen Regionen Europas, wie Ost-Europa, zeigt sich ein anderes Bild. Jeder größere Konzertsaal ist mit einer (mehr oder weniger guten) Orgel ausgestattet, in orthodoxen Kirchen findet man keine und in kath. bzw. ev. Kirchen nur selten Orgeln. Es wird auf den Saalorgeln rege konzertiert und wie ich mich in Minsk, auf der erst jüngst restaurierten Rieger-Kloss-Orgel, schon selbst davon überzeugen konnte mit meist ausverkauftem Haus. Auch gibt es in den ehemaligen Sowjet-Republiken eine recht rege Bautätigkeit - man liest immer wieder von Orgelneubauten.

Da hat es bei uns die Konzertsaalorgel schon recht schwer. Zumal sicher der eigentlich Konzert-Schwerpunkt in solchen Einrichtungen eher dem orchestralen, in den kleineren Räumen dem Kammermusikalischen Musizieren liegt. Also die Orgel eher eine Randerscheinung darstellt. Zudem sind wohl auch wirtschaftliche Gesichtspunkte immer ein wichtiger Punkt, den die Verwantwortlichen eines solchen Saals im Auge haben müssen. Ein ausverkauftes Klavierkonzert dürfte sicher lukrativer sein, wie ein von 20 Hörern besuchtes Orgelkonzert.

Die Schelte der Kirchenmusiker finde auch ich unangebracht. Deren Wirkungskreis ist der sakrale Raum. Dort haben diese auch ausreichend zu tun, wenn sie ihren Beruf ernst nehmen, um Gottesdienst, Chorarbeit, Gitarrengruppe, Kinderchor, eigene Konzertagentur für die eigene Orgel, Verwaltungsdienst und evtl. Bezirkskantorat zu bedienen. Da bleibt oft wenig Zeit außerhalb dieser Aufgaben, sich für ein Instrument, das sowieso nicht im Fokus der Öffentlichkeit steht, zu engagieren.

Ein eigentlich schönes, gegenteiliges, Beispiel, das mir einfällt ist sicher die Stadthalle in Görlitz. Der dortige Bezirkskantor hat sich stark für den Erhalt der Sauer-Orgel eingesetzt. Diese ist auch gerettet worden, nun fehlt nur noch die Rettung des Raums drumherum - und alles wäre doch perfekt.

Und hier geht anscheinend auch etwas:
http://www.kongress-augsburg.de/ueber-u ... orgel.html

Ja und die Öffentlichkeit, wie nimmt diese eine Orgel in einem nicht sakralen Raum wahr? Entweder gar nicht oder sogar störend. Die Orgel wird all zu gerne mit "Kirche" in Verbindung gebracht. Im Konzertsaal dient diese vielleicht noch mit ihrer mehr oder weniger gestalteten Pfeifenfront als Zierrat für die Bühne. Aber klanglich wird sie wohl kaum oder nicht wahrgenommen.

Die "Öffentlichkeit" verbannt dann diese Orgeln irgendwann aus ihren angestammten Räumen, wie das Beispiel im Nachbarthema, die Steinmeyer-Orgel im Feierabendhaus Ludwigshafen oder gar die traurige Geschichte der Walcker-Orgel im Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen zeigen und in Augsburg war ein ähnlicher Fall. Es dürfte schwierig sein einen adäquaten Raum für beide Instrumente zu finden und jemanden, der sich mit diesen identifiziert.

Und trotzdem werden immer wieder Mammut-Projekte Konzertsaalprojekte gestartet, wie z.B. die Elbphilharmonie in Hamburg und doch tatsächlich eine Orgel in den Saal geplant und vielleicht sogar gebaut. Wann erleidet eine solche neue Orgel das Schicksal ihrer Schwestern? Das bleibt abzuwarten. Am Geld für die Beschaffung eines solchen Instruments mangelt es wohl nicht - wahrscheinlich steht das Prestige im Vordergrund. Aber wie sieht es in der Folge aus, wenn die erste Euphorie verklungen ist. Schlecht. Gibt es einen Konzertsaal mit Orgel, der tatsächlich einen Titular-Organisten hat, der bezahlt wird und den nötigen finanziellen wie gestalterische Freiraum hat hier irgendetwas zu bewegen?

Und die Instrumente wie sieht es da aus? Gerade die Gestaltung der Konzertsaalorgel, so meine ich, sollte den besonderen Möglichkeiten des Raums und der daraus resultierenden Nutzung Rechnung tragen. Gerade weil sich hier die Verbindung von Orchester und Orgel problemlos machen ließe und sich die tolle und reichhaltige Literatur des 19. und beginnenden 20. Jahrhundert verwirklichen ließe, sollte bei der Gestaltung einer Orgel diesem Umstand besonderes Augenmerk gewidmet werden. Wird das auch bei Neubauprojekten getan? Stilkopie - wenn ja - welcher Stil, oder neue Wege beschreiten?

Eine Kirchenorgel-Kopie - eigentlich unpassend in meinen Augen. Die Disposition der Orgel im Feierabendhaus erinnert stark an eine der in jener Zeit gebauten Sakral-Orgel, neobarockisierend. Wahrscheinlich weniger geeignet für den angesprochenen Literaturtyp. Piep-Orgeln passen einfach nicht zu spätromantischem Orchesterklang.

Eher interessant dann die Orgel im SWR in Baden-Baden - ein experimenteller Typus. Vielleicht liegt das auch an der Einstellung der damals beim SWF verantwortlichen, die sich neuer Musik durchhaus aufgeschlossen zeigten. Aber wie geht es dort weiter? Eine Orchesterauflösung steht an, vielleicht auch ein Orgelauflösung? Sparzwänge zugunsten pulikumswirksamer Rundfunkarbeit. Fußball-Millionen contra Kultur-Groschen?

Ja gerade die klangliche Konzeption ist für mich ein wichtiger Indikator ob eine Orgel für diese Form des Konzertbetriebs geeignet ist oder nicht. Als interessante Beispiele seien die Orgeln der Tonhalle in Zürich (es gibt schöne CD-Produktionen) oder die Stadthalle in Heidelberg, ein historisches Instrument, wie auch die des Smetana-Saals in Prag genannt.

Ein negatives Beispiel das hier noch nicht erwähnt wurde, und das nicht besonders glücklich ist, ist die Orgel in der ehemaligen Klosterkirche in Oberndorf/N., die heute ausschließlich als kommunaler Veranstaltungsraum genutzt wird: Hier scheint mir die Konzeption mehrfach schief gelaufen zu sein. Zum einen befindet sich dort eine Orgel, die wenig konzertant ist und auch nicht wirklich gut klingt. Zum anderen ist die räumliche Aufstellung nicht durchdacht. Das Orchester hat seinen Platz im ehemaligen Chorraum der Kirche, die Orgel steht räumlich weit entfernt auf der West-Empore. Da ist ein gemeinsames Musizieren fast unmöglich, das Hörerlebnis eher bescheiden, obwohl Raum und Akustik bestens passen würden.

Es sind sicher viele Punkte, die das Dornröschen-Dasein so mancher Orgel im nicht-sakralen Raum begründen können. Dies nur auf die Untätigkeit und das Desinteresse örtlicher Kirchenmusiker zu schieben, scheint mir einseitig und nicht gerechtfertigt zu sein.

Solcena
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Re: "Fast" nicht genutzte Saalorgeln

Beitrag von Solcena » Freitag 29. August 2014, 22:33

Die schon zitierte Orgel in Wiesbaden ist doch gerade ein gutes Beispiel für einen Kirchenmusiker, der sich engagiert: H.-U. Hielscher.

Ich meine, dass viele Musikfreunde (Nicht-Orgelmusik-Fans) "Orgel" hauptsächlich mit einem großen kathedralhaften Klang - ob Widor-Toccata oder Bachpräludium (d.h. Romantisch oder Barock) in Verbindung bringen. Der beste Orgelbauer ist und bleibt nun mal die Akustik! Fällt diese aus - oder jedenfalls nicht so aus wie in einer großen halligen Kirche - wie konstruktionsbedingt bei den Konzertsälen, so erfüllt der Orgelklang m.E. nicht die Erwartungshaltung vieler Musikfreunde. Das könnte ein Problem sein, was die Popularität der Saalorgeln etwas vermindert.

Weiterhin wird die Orgel nicht mehr in der "Townhall-Funktion" des 19. / beginnenden 20. Jahrhunderts benötigt, d.h. der Bevölkerung klassische Musikwerke in Transkriptionen näherzubringen, da es (noch immer) zu Hauf Profiorchester gibt und Klassik via CD, Internet und Radio überall in makelloser Qualität erschwinglich verfügbar ist.

perotin
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Re: "Fast" nicht genutzte Saalorgeln

Beitrag von perotin » Mittwoch 3. September 2014, 14:29

Ronald Henrici hat geschrieben:Wegen der umfangreichen erneuerungen baulicher Art im Saal wurde dann vor wenigen Jahren die Orgel ausgebaut und gelagert in einem Gebäude des Deutschen Philharmonischen Orchesters Ludwigshafen. Ein Konzertpädagoge der Ludwigshafener Konzerthauses stand noch vor zwei Jahren mit email mit mir in Verbindung und hat mit zugesichert, mich zu benachrichtigen, wenn die Orgel wieder aus der Lagerung heraus aufgestellt wird, eventuell an einem anderen Ort, in einem anderen Saal. Leider habe ich bisher noch keine weitere Nachricht, wohl daß sich bei der "Deutschen Philharmonie Ludwigshafen" erwas ändern soll....

Das Orchester heißt "Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz" und hat in Ludwigshafen ein eigenes Gebäude. Dort liegen aber keine Teile der ehemaligen Orgel des Feierabendhauses. Vielmehr ist, wie ich kürzlich aus zuverlässiger Quelle erfuhr, das gesamte Instrument in Räumen der Firma Steinmeyer eingelagert. Es gibt Überlegungen, es irgendwann wieder aufzubauen, voraussichtlich im nordbadischen Raum. Das ist aber noch reine "Zukunftsmusik"...

Grüße,
perotin

Ronald Henrici
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Re: "Fast" nicht genutzte Saalorgeln

Beitrag von Ronald Henrici » Mittwoch 3. September 2014, 20:25

Danke für die neueste Aufklärung über die Lagerung der Orgel Feierabendhaus. Richtig: St. Rheinland Pfalz. Die staatsphilharmonie hat natürlich einen eigenen Konzertsall. ich habe den Saal auch nicht als Lagerungsort gemeint, vielmehr der Lagerungsort, den ich angegeben habe stimmt, denn ich habe mich selbst davon überzeugt. daß die Orgel dort nicht mehr gelagert sein soll, ist eben eine Neuigkeit für mich. vielen Dank dafür.
Gruß
Ronald
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Re: "Fast" nicht genutzte Saalorgeln

Beitrag von kjz1 » Sonntag 14. September 2014, 12:49

Da die hiesige Orgel in der Rhein-Mosel-Halle gerade wieder renoviert wird: auch hier gab es in den letzten Jahren immer einen Orgel-Kurator, der im Hauptamt Organist in einer benachbarten Kirche war. Also so ähnlich wie in Wiesbaden. Trotzdem wurde die Orgel nur gering genutzt. In über 40 Jahren kann ich mich nur an ein Orgelsolokonzert erinnern.

Ansonsten kam die Orgel ab und an mal in einem Orchesterkonzert oder bei Chorkonzerten zum Einsatz. In der ganzen nächsten Konzertsaison steht kein Konzert mit Orgelbeteiligung auf dem Spielplan. Das 'Problem': die Akustik der Halle ist absolut 'staubtrocken'. Und in näherem Umkreis gibt es einige Kirchen, die teilweise über recht ansehliche Konzertprogramme verfügen. Zudem wird die Halle als Multifunktionshalle recht umfänglich genutzt. Freie Konzert- oder Probetermine sind nur schwierig zu finden.

Es war wohl schon problematisch, genug ruhige Zeiten für die jetzt stattfindende Orgelintonation zu finden. Da grenzt es fast schon an ein Wunder, dass man die Orgel bei der Hallenrenovierung nicht herausgerissen hat, sondern nachher sogar wieder instandsetzt.

Ronald Henrici
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Re: "Fast" nicht genutzte Saalorgeln

Beitrag von Ronald Henrici » Montag 15. September 2014, 18:52

Es ist schön, zu erfahren, daß sich um wenige Konzertsaalorgeln auch die örtlichen Kirchenmusiker kümmern. Herr Hielscher in Wiesbaden ist mir als solcher sehr wohl bekannt, ebenso der Kirchenmusker Werner Jakob für die Meistersingerhalle Nürnberg. Es ist sehr zu schätzen, daß Herr Hielscher in Wiesbaden recht regelmäßig Orgelstunden im Kursaal Wiesbaden mit einem recht guten Erfolg wegen der Regelmäßigkeit geboten hat. Die Besucher danken es ihm auch heute noch. Denn das Geschehen hat dazu geführt, daß die Kurverwaltung eine Renoviereung des Instruments durchführen lassen konnte, und daß das Instrument regelmäßig von einem Experten in Wiesbaden gehegt und gepflegt wird. Diesem Herrn ist auch zu danken wie dem Herrn Hielscher !
Die bisher zweite "Ausnahme" gab der Kirchenmusiker von St.Sebaldus in Nürnberg, Herr Werner Jacob, der sogar immer wieder Werbung für die Meistersingerhallenorgel machte und dort Orgelführungen organisierte. Ob das heute noch durch Herrn Buttmann geschieht, wage ich zu bezweifeln. Schließlich war dieser Kirchenmusiker auf Anfrage nicht bereit, überhaupt einmal zu antworten. Daß ich im Forum oft von arroganten hauptamtlichen Kirchenmuskern spreche, ist verständlicherweise durch diese meine Erfahrungen nicht verwunderlich. :(
Der Forumsteilnehmer Holger hat sich in einem umfangreicheren Statement Gedanken darüber gemacht, warum die Konzertsaalorgeln so stiefmütterlich behandelt werden. das mag in manchem wohl stimmen, aber vieles ist spekulativ, eben weil die Konzertsaalorgeln nicht bekannt sind.Wenn in einem Konzertsaal die akustischen Verhältnisse entsprechend optimal sind, daß Orchester, Chöre, Solisten,Kammermusikgruppen erfolgreich auftreten und das willentlich, dann steht der willentlichen Nutzung der Orgel eigentlich logischerweise nichts im Wege. Die Spielweise ist wegen der angeblich "trockenen" Akustik eine etwas andere als in einer Kirche, darauf muß man sich als Organist einstellen, schließlich sind die Konzertsaalorgeln doch recht umfangreich in ihren Dispositionen.
Kürzlich habe ich ein gutes Beispiel gehört, in einem Konzertsaal, dessen Akusik wirklich nur einen Nachhall von knapp 1,2 Sekunden hat: einem Solotenor mit Begleitung am Flügel mit Arien aus italienischen Opern zuzuhören, war ein Genuß. Den gleichen Genuß bot ein Organist mit einer Improvisation zu einem vorgegebenen Thema an der neben der Orchesterbühne plazierten dreimanualigen 85-Register - Orgel, von leisesten Klangfärbungen bis hin zu Plenumregistrierungen. :D "Trockene" Akustik ist kein Grund, eine Konzertsaalorgel schweigen zu lassen... :oops:
Ich kann mir vorstellen, daß ein Forumsmitglied, das in Wiesbaden zugehört hat bei Herrn Hielscher, durchaus mir beipflichten könnte mit meiner soeben gegebenen "Hörerfahrung".
Nebenbei bemerkt: die Orgeln in der Aula der PH Freiburg, der PH Ludwigsburg, der Uni Heidelberg, der Oetkerhalle Bielefeld, Stadthalle Heidelberg, Philharmonie Köln, Konzertsaal Bamberg, Liederhalle Stuttgart, und in anderen Orten, stehen auch in akusisch genauso brauchbaren Sälen, nur kümmert sich keiner darum, die Instrumente zu spielen ! Die Begründungen mit der ungünstigen Akusik der Räume sind nicht stichhaltig, denn dann würden in diesen Räumen nicht regelmäßig hochrangige Konzerte mit Orchestern, Chören, Solisten u.a. stattfinden und gut besucht sein !!
Immer wieder meine Aufforderung: Liebe Kirchenmusiker, bitte befasst Euch auch mit diesen Orgeln und spielt diese so oft Ihr es könnt und wollt.
Gruß
Ronald
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Re: "Fast" nicht genutzte Saalorgeln

Beitrag von kjz1 » Dienstag 16. September 2014, 21:57

Ronald Henrici hat geschrieben:Die Begründungen mit der ungünstigen Akusik der Räume sind nicht stichhaltig, denn dann würden in diesen Räumen nicht regelmäßig hochrangige Konzerte mit Orchestern, Chören, Solisten u.a. stattfinden und gut besucht sein !!
Es gibt aber auch die Aussage, dass die Akustik das wichtigste Register der Orgel ist. Und dem würde ich voll und ganz zustimmen. Denn eine große Akustik (Kirche) 'schönt' den Klang.

Im Konzertsaal hört man in der letzten Reihe, wenn der Posaunist hinten rechts mit dem Notenblatt raschelt. So etwas wollen die Musikkritiker hören, da ist der Klang schonungslos analytisch. Das mag nicht jeder Organist und die Konzertorgel muss in einem Top-Zustand sein, die Konzertsaal-Akustik verzeiht da keinen Fehler oder irgendwelche Unsauberkeiten.

Der Hall in der Kirche deckt da vieles 'mit Gnade' zu. In unserer Kirche (mit großer 'Kathedral'-Akustik) finden auch regelmäßig Chor- und Orchester-Konzerte statt. Da wird jedesmal von den Musikkritikern der Lokalzeitung der Hall gnadenlos zerrissen. Weil man halt nicht mehr hört, wenn der Posaunist hinten rechts mit dem Notenblatt raschelt. Im Gegensatz zum Saal türmen sich da Klänge zu regelrechten 'Gebirgen' auf. Ein Klang, den viele Kritiker nicht mögen, der aber meiner Meinung nach essentiell zur Orgel dazugehört, quasi 'Raum als musikalische Dimension'. Und das sehen anscheinend auch viele Organisten so.

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Re: "Fast" nicht genutzte Saalorgeln

Beitrag von kjz1 » Samstag 25. Oktober 2014, 20:53

Mittlerweile wurde die 'generalüberholte' große Kemperin (IV/70) in der Rhein-Mosel-Halle (Koblenz) mit einem Orgelfest am 17. 10. 2014 wieder in Betrieb genommen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Rhein-Mosel-Halle#Orgel

kernspalter
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Re: "Fast" nicht genutzte Saalorgeln

Beitrag von kernspalter » Donnerstag 27. November 2014, 08:36

Ronald Henrici hat geschrieben:in der Aula der Universität Tübingen steht eine herrliche Orgel, keiner kümmert sich darum
In Tübingen tut sich etwas:

http://www.uni-tuebingen.de/universitae ... -aula.html

Auch hier engagiert sich der örtliche Kirchenmusiker Ingo Bredenbach (Kantor der Stiftskirche).
Mit kernspalterischen Grüßen

Ronald Henrici
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Re: "Fast" nicht genutzte Saalorgeln

Beitrag von Ronald Henrici » Donnerstag 27. November 2014, 13:24

Das ist sehr schön, daß auch hier endlich einer der Kirchenmusiker tätig wird !
Gruß
Ronald
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kernspalter
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Re: "Fast" nicht genutzte Saalorgeln

Beitrag von kernspalter » Donnerstag 27. November 2014, 14:20

Ronald Henrici hat geschrieben:Das ist sehr schön, daß auch hier endlich einer der Kirchenmusiker tätig wird !
Gruß
Ronald
Was heißt hier "einer"?

Da beteiligen sich noch viel mehr Kirchenmusiker:

http://www.uni-tuebingen.de/universitae ... tzeit.html


Und was heißt hier "endlich"?

Bis so ein Projekt an die Öffentlichkeit treten kann, vergehen oft viele Jahre.

Insbesondere wenn beim Besitzer die Orgel ganz weit hinten auf der Prioritätenliste steht - was bei Saalorgeln leider oft der Fall sit.
Mit kernspalterischen Grüßen

Ronald Henrici
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Re: "Fast" nicht genutzte Saalorgeln

Beitrag von Ronald Henrici » Samstag 29. November 2014, 13:09

Eine Bemerkung an Kernspalter !
In Tübingen wurde erst vor wenigen Monaten der amtierende Universitätsmusikdirektor mit der Nase auf die existierende Orgel in der Aula gestoßen und erst dann hat er sich für das Instrument interessiert ! Das ist ja schon einmal ein Fortschritt !

Ich weiß es sehr zu schätzen, daß sich endlich einmal Kirchenmusiker - und auch mehrere - auch um Konzertsaalorgeln bemühen. Aber leider nur nach Aufforderung und ohne Eigeninitiative. Das Argument, sie seien durch ihre Tätigkeit als Kirchenmusiker in ihren Kirchenmgemeinden und ihren Kirchenbezirken genügend und überschwenglich ausgelastet, kann ich aus mehrjähriger Kenntnisnahmen in keiner Weise bestätigen. Denn deren Tätigkeiten liegen wesentlich unter den Anforderungen und Tätigkeitsmerkmalen in den Kirchengemeinden, es sei denn, die geben privat Musikunterricht.
Das, was sie für den Arbeitgeber Kirchengemeinden tun müssten, steht bei mehr als 50 % der beobachteten Fälle, im krassen Mißverhältnis zu dem , was sie tun. In beiden Richtungen: Allerdings sehe ich immer wieder, daß in den wenigsten Fällen die Musiker mehr tun in den Gemeinden als sie sollten !
Jeder Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst hat eine tarifgebundene Übersicht über seine Tätigkeitsmerkmale, die jedem Steuerzahler zugänglich ist. Wo ist diese für Kirchenmusiker ? Bisher gibt es keine ! Bei den Ausschreibungen werden nur Wunschbilder entworfen, die aber tatsächlich in den ausschreibenden Gemeinden überhaupt nicht durchführbar werden, mangels Interesse und mangels Masse.
Aus dieser Sicht bricht sich kein Kirchenmusiker einen Zacken aus der Krone, wenn es sich auch um nicht gemeindlich gebundene Orgeln, z.B. Saalorgeln, kümmert.
Hiermit rufe ich weiterhin auf:
"Kirchenmusiker, kümmert Euch zumindest auch um die Orgeln - wenigstens "vor Ort" - , die nicht in Euren Kirchen stehen !
Denn sonst tut es kaum Jemand !"
Gruß
Ronald
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Re: "Fast" nicht genutzte Saalorgeln

Beitrag von kernspalter » Samstag 29. November 2014, 13:36

Ronald Henrici hat geschrieben:Eine Bemerkung an Kernspalter !
In Tübingen wurde erst vor wenigen Monaten der amtierende Universitätsmusikdirektor mit der Nase auf die existierende Orgel in der Aula gestoßen und erst dann hat er sich für das Instrument interessiert !
Und das ist falsch.
Zufällig kenne ich den amtierenden Universitätsmusikdirektor persönlich.
Ich kannte auch seinen 2010 verstorbenen Vorgänger, der sich ebenfalls für das Instrument interessiert hat.

Es nutzt der Sache nicht, wenn dieser Thread dazu mißbraucht wird,
- Falschinformationen zu verbreiten
- bei jeder Gelegenheit die hauptamtlichen Musiker zu diskreditieren

Das ist unverantwortlich und schäbig.
Mit kernspalterischen Grüßen

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