Els Biesemans, Pieter-Jelle de Boer, KV 466 und op. 19

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Clemens Schäfer
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Els Biesemans, Pieter-Jelle de Boer, KV 466 und op. 19

Beitrag von Clemens Schäfer » Montag 30. Oktober 2017, 22:31

Hallo Forum,

12. ido, 29.10.2017, 20h, St. Antonius, Düsseldorf-Oberkassel. Angesagt waren Els Biesemans (Orgel) und Pieter-Jelle de Boer (Klavier). Gespielt werden sollten die Klavierkonzerte Opus 19, B-Dur von Beethoven und KV 466, d-moll von Mozart. Die Orgel sollte also den Orchesterpart übernehmen. Die Mühleisenorgel(n) in St. Antonius wußten bislang zu überzeugen. Skepsis war hinsichtlich des Klaviers angesagt: Was für ein Instrument würde zur Verfügung stehen? Würde der Veranstalter einen echten Konzertflügel mieten? Neugier siegte über Bedenken. Ich war dabei.

Bei Bearbeitungen fragt man sich ja immer, warum den Spielern das Repertoire der Orgelliteratur nicht reicht. Wahrscheinlich geht es den Menschen aber so wie dem Rindvieh, das am liebsten die Kräuter jenseits des Weidezauns frißt. Vielleicht ist es aber auch ein ehrenwerter pädagogischer Impetus: Die Hörer sollen auch Musik außerhalb der Orgelwerke kennenlernen. Das war immerhin bis zur Erfindung von Tonträgern plausibel. Heute kann sich jeder alles zu jeder Zeit und überall ins Ohr Streamern. Halt - nicht alle: Es gibt ja noch die Gruppe Menschen, die beim Weg in die digitale Welt zurückgeblieben ist. Und die, die den Weg in einen Konzertsaal nicht finden, weil es keinen in ihrer Nähe gibt oder der aus persönlichen Gründen unerreichbar (geworden) ist. Und dann: Zu einem Konzertbesuch muß man sich fein machen. In einer Kirche tut es ein Mantel. Und in der Tonhalle Düsseldorf muß man viele Treppen steigen, da geht es in die Antoniuskirche doch leichter. Und günstig war es dazu: Ermäßigt gab es den Eintritt für € 15,-. Ein preiswertes Seniorenvergnügen. Und so war denn die Kirche gut gefüllt; das Mittelschiff fast voll besetzt = mehrere Hundert Besucher - Altersschnitt oberhalb der 65.

Sorry, ich vergaß gerade, selbst zu dieser Altersgruppe zu gehören und auch nur € 15,- bezahlt zu haben. Lassen wir also Ironie, Sarkasmus und Häme beiseite und konzentrieren uns auf Beethoven und Mozart. Und auf Biesemans und de Boer. Letztere taten etwas gänzlich unerwartetes und tauschten nach dem Beethoven die Plätze!

Vorab sei gesagt, daß beide die Stücke gewiß schon in ihrer Originalgestalt gespielt hatten, die Werke gut kannten, den richtigen Duktus und Ton fanden, sauber und präzise beisammen waren und mit der sehr halligen Akustik mehr oder weniger gut (dazu unten mehr) zurechtkamen. Als Klavier stand leider kein der Orgel ebenbürtiges Instrument sondern ein ordentlicher Stutzflügel zur Verfügung. Flügel und Konsole waren vor der ersten Bankreihe plaziert; damit stand der Flügel unter der mächtigen Vierungskuppel, während die Orgeln von hinten bzw. der Seite tönten. Die unterschiedlichen Schalllaufzeiten waren an meinem Platz etwas hinter der Mitte der Bankreihen kaum spürbar.

Schon bei der Exposition des op. 19 wurde aber offenbar, wie schwer es wohl ist, ein spritziges, jugendlich frisch aufspielendes Symphonieorchester insbesondere hinsichtlich der Streicher mit der Orgel darzustellen. Und de Boers Klavierspiel glich oft einem Glockenspiel: So verfälschte die Akustik den Klavierklang. Selbstverständlich nahm auch in dieser Version die Musik für sich ein. Dennoch hat niemand etwas versäumt, wenn er das nicht gehört hat.

Aber es sollte ja noch Mozart kommen. Und hier änderten sich die Gegebenheiten nach dem Platzwechsel der Spieler doch deutlich. Den unheildrohende Charakter des Beginns konnte de Boer mit der Orgel bestens einfangen und auch sonst wußte die Exposition zu fesseln: Das ist mehr Stimmungsmusik als reine fast noch schulmäßige Klassik. Endgültig wurde die neue Qualität dann mit dem Klaviereinsatz deutlich. Biesemans hatte den dankbareren Part. So blieb man bei dieser wunderbaren Musik Takt für Takt aufmerksam. Ganz herrlich der langsame Satz mit seinem heftigen Mittelteil. Hier gelangen auch die Streichersforzati. Schön die Bläsersoli nachgerade im letzten Satz - hier bietet die Orgel alles.

Tja, ein zwiespältiges Bild. Beide Interpretationen warfen ein neues Licht auf die Werke. Das war im Falle Mozarts stellenweise beglückend, beim Beethoven bleiben ein paar Akkordschärfen positiv in Erinnerung.

Für das 13. ido kündigte Intendant Herbert H. Ludwig Überlegungen zu opp. 60 und 61 an. Der Beifall könnte ihn in seinem Vorhaben bestärkt haben.

Gruß Clemens Schäfer

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