Stefan Engels in St. Lambertus, D-Altstadt

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Clemens Schäfer
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Stefan Engels in St. Lambertus, D-Altstadt

Beitrag von Clemens Schäfer » Dienstag 3. Juli 2018, 13:50

Hallo Forum,

am 02.07.2018 spielte um 19:30h in St. Lambertus, Düsseldorf-Altstadt Prof. Stefan Engels, Houston, USA.

Es ging los mit einer Passacaglia über BACH (2004) von Pamela Derker (*1955). Das eindrucksvolle mehr als 15-minütige Stück bestand aus Passacaglia uns Fuge. Im Stil ist es Reger noch recht nahe, in der Harmonik gemahnt es aber an die neuen Sachlichen der Nachkriegszeit. Da hörte man gerne und interessiert zu, zumal Engels die Orgel wirkungsvoll einzusetzen wußte.

Dann Bach, aber nicht original: Eines der umgemodelten Violinkonzerte (Großmogul, Vivaldi, C-Dur). Das bedeutet leider immer eine Menge Leerlauf, wenn die Violine auf der e-Saite in höchsten Lagen tiriliert - auf der Orgel zum Gähnen. Am meisten wird da noch im Rezitativo gesagt.

In einer Orgelbearbeitung von Karg-Elert gab es weiter den Trauermarsch op. 62 Nr. 3 von Mendelssohn. Das war romantische Orgelmusik vom Feinsten. Und Engels war da ganz in seinem Element. Herrliche Klangfarben, stimmiges Tempo, feine Übergänge etc. pp.

Höhepunkt und wohl auch als Schlußpunkt einer großen Steigerung gedacht war dann Karg-Elert op. 150, Introduktion, Passacaglia und Fuge über BACH. Damit schloß sich zugleich der Kreis zu Pamela Derker. In die Introduktion ging Engels mit aller verfügbaren Kraft. Selten wird das Instrument so ausgespielt. Dennoch waren die (wenigen) Eingangsakkorde kein Lärm. Auch zum Ende der Passacaglia und ganz am Schluß wußte Engels Krach zu vermeiden, obschon die Grenze des erträglichen hörbar wurde. Dazwischen wieder feinste Dynamikabstufungen, bezaubernde Soli, ja: Kribbeln in der Nase. Es ist nun mal ganz wunderbare, ausdrucksstarke Musik.

Der Nachhall wurde abgewartet, dann ging jubelnder Beifall los. Um 80 Hörer hatten den Weg gefunden. Engels setzte sich wieder an den Spieltisch, sammelte sich (und die Hörer!) und begann zu träumen; Schumann via Karg-Elert.

Gruß Clemens Schäfer

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