Michael Bottenhorn in der Auferstehungskirche, D-Oberkassel

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Clemens Schäfer
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Michael Bottenhorn in der Auferstehungskirche, D-Oberkassel

Beitrag von Clemens Schäfer » Donnerstag 18. Mai 2017, 14:45

Hallo Forum,

das vierte Konzert des 13. Oberkasseler Orgelfrühlings spielte am 17.05. Michael Bottenhorn, Bonn-Beuel St Josef. Der fühlte sich an der Sauer_Orgel sichtlich wohl.

Er begann unter Würdigung des Reformationsjubilaeums mit Otto Nicolais Fest-Ouverture „Ein feste Burg ist unser Gott“ in der Orgelfassung von Franz Liszt. Affirmative Eingangs- und Zwischenteile, durchaus kräftig und markant inszeniert, wechseln sich mit den zarteren, andächtigen Liedstrophen ab. Das ist wirkungsvoll, wenn auch einfach gestrickt. Schon hier wußte Bottenhorn die Möglichkeiten des Instruments ausgiebig zu nutzen und ließ auch die Chamaden dazwischenfahren.

Von ganz anderer Statur und Struktur ist dann BWV 682 à 2 Clav. et Pedale e canto fermo in canone. Ein herrliches Stück Musik. Man weiß nie, auf welcher der vielen Ebenen man mithören soll - überall möchte man dran bleiben. Das ist Qual und Lust zugleich. Bottenhorn hatte den nötigen langen Atem, spielte gleichmäßig und zugleich spannend. Sehr schön. Die kleinen Bearbeitungen sollten nicht vernachlässigt werden, hatte Bottenhorn vor dem Konzert angemerkt. Und so schob er BWV 683 hinterher.

Hauptwerk des Abends war dann Viernes dritte Symphonie fis-moll op. 28 (1911). Wirklich maestoso und dabei sehr kräftig ging es los. Bottenhorn setzte hier bereits Zeichen: Er war gewillt, die Dynamikbandbreite der Orgel voll auszukosten. Öfters ließ er im voll geschlossenen SW spielen, nutzte andererseits aber auch die volle Kraft des Instruments. Ein nicht vorhandener Nachhall konnte hier nichts ausgleichen. So gab es eine unverzärtelnde, konsequente Darstellung, die zum Hinhören zwang. Besonders gelungen schien mir das Trio im Intermezzo: La Valse von Ravel ließ grüßen. Gut durchgestaltet das Andante.

Der Beifall war sofort da. Vermutlich wegen der plötzlich sprunghaft gestiegenen Temperaturen waren nur knapp 70 Hörer gekommen. Bottenhorn improvisierte als Zugabe über „Der Mond ist aufgegangen“.

Gruß Clemens Schäfer

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