Thorsten Göbel in der Auferstehungskirche, D-Oberkassel

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Clemens Schäfer
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Thorsten Göbel in der Auferstehungskirche, D-Oberkassel

Beitrag von Clemens Schäfer » Donnerstag 17. Mai 2018, 13:45

Hallo Forum,

nun ist er schon wieder vorbei, der 14. Oberkasseler Orgelfrühling in der Auferstehungskirche zu Düsseldorf-Oberkassel. Wie in den Vorjahren spielte Auferstehungskantor Thorsten Göbel das letze Konzert selbst. Und auch er hatte ein Opus 18 im Programm. Damit eröffnete er denn auch das Konzert: Hans Fährmann (1860-1940), 4. Sonate a-moll. Allerdings gab es nur den ersten, immerhin zwanzigminütigen Satz des insgesamt vierzigminütigen Werkes - sonst wäre für weiteres kein Platz geblieben. Immerhin; für mich war es der erste Fährmann im Konzert. Dessen spätromantische Musik war nach dem zweiten Weltkrieg wenig gefragt. Zudem waren die Druckplatten seiner Notenausgaben bei der Bombardierung Dresdens untergegangen. So blieb Fährmann lange vergessen. Aber das erweist sich beim genauen Hinsehen und -hören doch als Fehler: Fährmann hat intensive, stark emotionale Musik geschrieben. Es wagnert heftig. Und auch der der überladene Wilhelminismus lauert überall. Der hier gespielte Satz war ein Bad in Traurigkeit und Depression. Immer wieder Anläufe, die letztlich aber nicht zum Ziel führen. „Trotzig und schwerfällig (moderato) “ lautet die Satzbezeichnung. Und spielte Göbel es auch. Mit Hingabe und Mitgefühl. Nietzsche hatte er bei der Begrüßung zitiert: Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.

An zweiter Stelle dann eine völlig andere Musik, ja gerade ein Antipode. Hermann Schroeders (1904-1984) Orgelsonate. Hell und durchsichtig, nicht ohne Kanten und moderne Zwischentöne, aber gut hörbar. Sehr kontrapunktisch. Etwas konstruiert wirkend, aber nicht zu akademisch.. Klar, damals wollte man alle Großmannssucht hinter sich lassen, schlicht und natürlich komponieren. Da war für aufwallende romantische Symphonik kein Platz. Verdienstvoll, daß Göbel hier beide Stile gegenüberstellte; beide haben ihren speziellen Reiz und ziehen daraus ihre Berechtigung.

An dritter Stelle Bach: Präludium und Fuge h-moll BWV 544. Pointiert und rhythmisch genau kam das Präludium mit seiner speziellen Agogik. Herrlich die Fuge. Immer wieder merkte ich, wie sich z.B. meine Oberschenkelmuskulatur
in Kontraktion und Entspannung der Musik anpaßte. Dabei saß ich doch ganz ruhig... (?) Was steckt da für ein Impulspotential drin!

Am Ende noch ein Zückerchen: Concert Ouverture c-moll von Alfred Hollins (1865-1942). Großartig gemacht schon der Beginn. Oft zum Schmunzeln. Gefahr des Sodbrennens hatte Göbel angekündigt. Dennoch ein prima Abschluß.

Über 120 Hörer applaudierten heftig. Göbel spielte, auch als Hommage an seine Eltern, die gerade 45 Jahre verheiratet sind, jenes Hochzeitspräludium mit Melodien aus dem Rosenkavalier, die Richard Strauss für die Hochzeit seines Sohnes für zwei Harmonien gesetzt hatte.

Für die schöne Reihe des diesjährigen Oberkasseler Orgelfrühlings sei hier noch einmal Dank gesagt. Der 15. Oberkasseler Orgelfrühling beginnt am 01.05.2019 um 18:30h; es spielt Ingrid Caspar, Bamberg

Gruß Clemens Schäfer

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